Wolfgang

  Gedanken



Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

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14. Dezember 2010

Erinnerungen

Vor ein paar Tagen sagte ich zu Susanne, das Grün

der hellen Jahreszeit würde vieles zudecken. Ist ja ein bisschen paradox, dass damit, folgerichtig, in der dunklen Jareszeit einiges ans Licht kommt. Ein Schelm, wer an "Luzifer" denkt

Hier wohnte mal eine kleine Familie, ihr Haus

versteckt in dichtem Laubwerk. Kaum einer beachtet noch die kleinen, lustigen Gesellen, macht sich Gedanken, erfreut sich an ihren Flugkünsten, dem Gesang, der Idee von Freiheit und einer gewissen Sorglosigkeit, die sie ausdrücken.

Sich Sorgen machen ist angesagt, Termine machen gehört zur Erfüllung eines Tages, sich selber und anderen Stress machen. Wer dem Kinde gleich Erlebensfreude genießt und dem Tag lachend in die Augen schaut, ist ein Außenseiter.

Auf dem zugefrorenen Teichen hinter dem Gysenberg beobachtete ich viele Enten und Möven. Etwas abseits der großen Geselligkeit saß eine Krähe


Sie pickte nur ein bisschen im Eis herum, warum, weiß sie nur ganz alleine. Lange ließen die Möwen ihr die Ruhe nicht, eine ganze Schar stürzte sich auf den andersfarbigen Einzelgänger.

Dieses Bild nannte ich "unerwünscht". Ich kenne das Gefühl, eins, das mich ein Leben lang begleitete. Erinnerungen an ein Andersein, zu dünn, zu lebhaft, zu neugierig, zu wenig fügsam, zu schnell oder zu langsam - zu viel, als dass es das "Normale" einfach ertragen könnte; darüber könnte man sich Sorgen machen. Auch darüber, dass ER da immer noch hängt, erbarmungslos missbraucht, damit niemand vergisst:
auf der Welt gibt es nichts zu lachen.


"Sorget nicht für euer Leben, was ihr essen und trinken werdet, auch nicht für euren Leib, was ihr anziehen werdet. Ist nicht das Leben mehr denn die Speise und der Leib mehr denn die Kleidung? Sehet die Vögel unter dem Himmel an: sie säen nicht, sie ernten nicht, sie sammeln nicht in die Scheunen; und euer himmlischer Vater nähret sie doch. Seid ihr denn nicht viel mehr denn sie?"

Erinnerungen an mein Kindsein, Erinnerungen an das geraubte Kind, das der Lebenshass der anderen weg sperrte, Erinnerungen an das, was mir viele Jahre an fragmentarischen Resten meiner Ur-Lebensfreude blieb. Auch Erinnerungen an die letzten zwanzig Jahre, jeder Tag ein Weg der Zurückeroberung.

Erinnerungen sind mir treuer Begleiter. Nein, ich lebe nicht in der Vergangenheit, sie ist nur ein Teil von mir, vieles unvergessen, nichts jedoch mit Wehmut oder Zorn betrachtet. Vergangene Tage führen mich wie eine Brücke durch die Zeit, tragfähig und mit Geländer für stürmische Zeiten. Meine Erinnerungen sind mir Zeugnis, gelebt zu haben.

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