Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

Wolfgang

Themen
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Wechsel

24. April 2010

Auslöser für das Aufschreiben meiner Gedanken war eine Information über die Entwicklung bzw. den Wandel der Arbeitswelt im Ruhrgebiet. Das Kernthema ist bekannt, der Aspekt, um den es  mir geht, selbst rumort bereits eine ganze Weile in mir und verdichtete sich durch einen Bericht über einen Jugendlichen und eine Beobachtung, die ich gestern auf der Heimfahrt machte: Ein völlig ausgetickter Junge, der aus seiner heißen Raserei einen kalten Angriff startete, um seiner Fehlhandlung zu begegnen.

In einem jedem Menschenleben spielt der Wechsel eine große Rolle.

·

Persönlich duchläuft er in seiner Lebenszeit

Entwicklungsstufen;

·

seine Leistungsfähigkeit unterliegt einem

Biorhythmus;

·

er lebt im Wechsel der Jahres- und

Tageszeiten;

·

Standpunkte kommen und gehen,

Informationen verändern sich;

·

die allgemeine gesellschaftliche

Entwicklung greift schleichend und auch plötzlich in seine Lebensplanung ein;

·

seine Beziehungen verflachen unmerklich

oder lösen sich auf dramatische Weise auf.


Ein paar Beispiele dafür, dass der Wechsel eine sozusagen fundamentale Rolle im Leben jedes Menschen spielt und alle Ebenen seines Systems und Daseins dem unterworfen sind. Der Wechsel ist eine, das scheint klar, lebensimmante Bedingung für jedwede Form der Existenz, ja, das Leben FORDERT den Wechsel ein und liefert uns damit eine der Facetten für das Schicksalhafte. Wer sich dem Willen des Lebens nicht unterwirft, wird aus dem Spiel geworfen, hart und ganz unpersönlich, praktisch auf dieselber Weise, wie man dem Leben selber gegenüber stand.

Mich interessiert hier eine besondere Spielart des Wechsels, der innerhalb der Psyche sich regelt. (Und ich betone, dass das Folgende meine Vorstellungen eines Prinzips sind.) Es gibt zentrale menschliche Bedürfnisse - eines ist Sicherheit. Wenn in einem Lebensbereich eine - wodurch auch immer entstandene - Unsicherheit entsteht, und zwar auf einer relativ unbewussten Ebene, kanalisiert sich das Sicherheitsbestreben auf ein Gebiet, das man im Griff hat.

Beispiel:
Mensch hat Angst vor Krankheiten, vor Schwäche, vor Hilflosigkeit. Da er die Angst nicht auflösen kann, richtet er sein Augenmerk auf das Putzen und/oder die Körperpflege. Wir wissen, dass Menschen neurotisches Verhalten auf Gebieten zeigen, die man eher als profan einordnen muss. Er wendet dabei Methoden des Ausgleichs an, die keine Harmonie, sondern nur Ersatz schaffen -  eine belastende Unterfunktion erträglich machen. Neurotisch wird das Verhalten durch das Vorbeiagieren an der eigentlichen Ursache - man "weiß" im Grunde, das bringt keinen Erfolg, und betreibt es wie getrieben intensiver, teils exzessiv.

Die grundsätzliche Schwierigkeit ist, dass die Kernprobleme des Menschen auf der traumatischen Ebene angesiedelt sind, also keinen Zugriff erlauben. Aus innerer Angst wird so nach außen gerichteter Aktionismus auf einem Gebiet, das der Vernunft als plausibel erscheint und umsetzbar ist. Man sucht einen Ausgleich, um sich zu beruhigen, um einer Gefahr zu begegnen, um einer Pflicht gerecht zu werden, um mit sich im Harmoniebereich ins Reine zu kommen.

Noch ein paar Worte zum Grundprinzip.
Es geht im Wesentlichen um ein
Überfunktionieren und ein Unterfunktionieren. Erinnere mich gerade an Worte, die ich vor vielen Jahren über meinen Vater sprach: "Was er an Liebe und Aufmerksamkeit nicht leisten kann, regelt er über Geschenke".
Und es gibt ein recht gutes Beispiel aus dem körperlichen Bereich in der Zusammenarbeit der Organe. Funktioniert eins nicht richtig, wird ein anderes oder andere überbelastet: Auf Unterfunktion wird mit Überfunktion reagiert. Aus Angst wird Flucht, aus Stress (über) entsteht Krankheit (unter).

Kerhen wir zurück zum Prinzip des Wechsels. Der Mensch ist ein Gewohnheitstier, und vielleicht weil er zu 70% aus Wasser besteht, sucht er sich gerne den Weg des kleinsten Widerstandes: So wenig leisten wir nötig, so viel ernten wie möglich. Wohin er durch diese Prämisse abdriftete, läßt sich mit wenigen Worten beschreiben:
Die Welt ist ein großer Müllhaufen geworden, in dem viele psychisch, geistig und körperlich Kranke über- oder unteragieren, aggressiv oder depressiv sind. Auf jeden Fall tragen viele Scheuklappen, die, würde man sie darauf ansprechen, sicher nur genetisch bedingt gewachsen sein können.

Wechsel!
Mein Ansatz kam von der Verhaltensebene, wo Ur-Bedürfnisse am Kern vorbei nach Befriedigung suchen. Ich lande auf der gesellschaftspolitschen Ebene, wo sich im Großen, im System das vollzieht, was im Kleinen auch abläuft. Im Grunde wirkt da wohl ein Phänomen, das mit Wahrheit und Wahrhaftigkeit zu tun hat - also mit dem Hunde-Syndrom (die halten sich bei Gefahr die Augen zu und glauben ...). Wir wissen nicht erst seit gestern, dass unser Wirtschaftssystem nicht funktioniert, gleichwohl niemand der verantwortlichen Politiker als auch die Bürger das in ihr Bewusstsein integrieren und praktisch umsetzen - können. Wechsel, er ist einerseits eine Option, die aus ethisch- humanistischenen Gründen (freiwillig) gewählt wird. Wechsel wird aber auch vom System dann verordnet, wenn Grenzen überschritten wurden.

Ich schließe mit dem Gedanken:
Eine Pseudo-Stabilität MUSS zerbrechen, sich wandeln in Instabilität. Vor 12 Jahren las ich das Buch "Mutter Erde wehrt sich". Oh nein, Mutter Erde wehrt sich noch nicht - so wie Mütter nun mal sind, ist auch das System unseres Heimatplaneten sehr geduldig, felxibel, wartet auf Besinnung. Wenn sie es tut, geschieht es auf eine Weise, die uns dann nicht mehr von Wissenschaftlern erklärt wird - werden kann, weil es keine mehr gibt.

Fernsehen: WDR
Freitag, 23. April 2010, 20.15 bis 21.00 Uhr

Wie die Kohle aus dem Ruhrgebiet verschwand

Bis in die Mitte der fünfziger Jahre war der Steinkohlebergbau der Motor des westdeutschen Wiederaufbaus nach dem Krieg, und Bergmann im Ruhrgebiet war der sicherste Beruf der Welt. Doch schon bald danach ist von ersten Krisen die Rede, von Feierschichten, von wachsenden Halden und von Zechenstilllegungen.

Das Fernsehen zeigt dramatische Berichte vom ohnmächtigen Protest der Bergleute, vom Abriss der Werksanlagen und vom Schlangestehen im Arbeitsamt. Noch scheint es Alternativen zu geben, die Stahlindustrie zum Beispiel oder das neu gegründete OPEL-Werk in Bochum. Erst später wird klar: Es ist ein Abschied ohne Wiederkehr. Zurück bleibt eine Landschaft, die von der Schwerindustrie gezeichnet ist, und Menschen, deren Lebenswege eng damit verbunden waren.

Ein Professor händigte die Unterlagen für das Abschlußexamen aus und verursachte einige Verwirrung bei den Studenten. Einer von ihnen sprang auf und rief aufgeregt: "Aber, Herr Professor, das sind ja die gleichen Fragen, die Sie uns bei der letzten Klausur gestellt haben!" - "Stimmt", sagte er, "aber die Antworten haben sich geändert."

„Gesellschaftliche Veränderung fängt immer mit Außenseitern an, die spüren, was notwendig ist.”
Robert Jungk

„O wie gut erginge es manchen Menschen, wenn sie einmal aus ihrem Geleise herauskämen.”
Lucius Annaeus Seneca

„Veränderung ist angenehm und der menschlichen Natur notwendig, wenn sie auch zum Schlimmeren führt.”
Ewald von Kleist-Schmenzin

„Wandel und Wechsel liebt, wer lebt.”
Richard Wagner

„Wenn wir wollen, daß alles so bleibt, wie es ist, müssen wir zulassen, daß sich alles verändert.”
Giuseppe Tomasi di Lampedusa

„Werte kann man nur durch Veränderung bewahren.”
Richard Löwenthal

 „Ich weiss nicht, ob es besser wird, wenn es anders wird. Aber es muss anders werden, wenn es besser werden soll.“
Georg Christoph Lichtenberg

 „Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
Mahatma Gandhi

 „Das Sichere ist nicht sicher.
So, wie es ist, bleibt es nicht.“
Bertolt Brecht

 „Wer die Welt bewegen will, sollte erst sich selbst bewegen.“
Sokrates

 „Wege entstehen dadurch, dass man sie geht.“
Franz Kafka

 „Die Vorzüge von gestern sind oft die Fehler von morgen.“
Anatole France

 „Man weiß nie, was daraus wird, wenn die Dinge verändert werden. Aber weiß man denn, was daraus wird, wenn sie nicht verändert werden?“
Elias Canetti

Um klar zu sehen,
genügt oft ein Wechsel der Blickrichtung.
Antoine de Saint-Exupéry

Eine Erkenntnis von heute kann die Tochter eines Irrtums von gestern sein.
Marie von Ebner-Eschenbach

Was immer du tun kannst oder erträumst zu können,
beginne es.
Kühnheit besitzt Genie, Macht und magische Kraft.
Beginne es jetzt.
Johann Wolfgang von Goethe

Wenn du die Welt verändern willst,
beginne mit dem Menschen,
den du jeden Morgen im Spiegel siehst.
Simone Weil

Viele kleine Leute
an vielen kleinen Orten,
die viele kleine Schritte tun,
können das Gesicht der Welt verändern.
Stefan Zweig

Möchtest du dich selbst ändern,
unterschätze die Kraft deines eigenen Willens nicht.

Wir wissen inzwischen, und schon viele Jahre, was geschieht, wenn nicht Grundsätzliches verändert...
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