Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

Wolfgang

Themen
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Mitgefühl / Empathie

15. April 2010

Was die beiden Begriffe betrifft, gibt es einiges zu klären, der Genauigkeit wegen, um verstehen zu können; nebenstehend dazu einige Texte. Wir diskutierten am Abend über "Mitgefühl", meinten jedoch Empathie. Die an mich gerichtete Aussage lautete: "Du spüre kein Mitgefühl - gibt es dazu ein Thema auf unserer Seite?" Ich sagte, es gibt die Mitleidsskala, über Mitgefühl schreibe ich dann in der Nacht. Bitte sehr.

Ich glaube, im Kern drehte sich die Anmerkung Susannes um das Äußern von Empathie (Mitgefühl). Kann das geschehen in Form des Beileids, wie es auf Beerdigungen gesprochen wird? Spricht man, oder handelt man, macht Geschenke oder Versprechungen? Ich glaube, es kommt auf die Intensität der Beziehung an, die man zu einem Menschen hat, in welcher Form und mit welchem Inhalt Empathie sozusagen Gestalt annimmt. Wer einen Menschen sehr gut kennt und über Jahre an seinem Leben teilnahm, wird wissen, dass er in einer Situation A auch B tun muss, und nicht C. Insofern sollte ein Mensch, der Empathie einfordert, einmal überlegen, wie viele Dinge geschehen sind, die ohne Empathie nicht hätten geschehen können. Fehlt es da an Vertrauen?

Grundsätzlich mag ich mal feststellen, dass ein Mensch, der Empathie (Mitgefühl) braucht, ein Bedürfnis hat. Er braucht von einem Menschen eine Leistung, sonst könnte er ja sein Bedürfnis selber stillen. Warum ein Mensch das nicht kann, hat oft nur einen einzigen Grund: Er ist in Probleme involviert, ein Betroffener, der entweder die Realität nicht erkennt oder dafür keine Lösung entwickeln kann. Ein empathischer Mensch kann da sicher helfen. Aber er wird dann - in Kenntnis der Sach- oder Entwicklungslage des Bedürftigen, SEINE Lösung in Szene setzen. Keinesfalls wird er jedoch das tun, was der Andere erwartet oder gar einfordert (siehe Wiki 5)

Empathie ist einerseits ein Gefühl, das ich hier Affinität (im Gegensatz zu Aversion) nennen möchte, das eine möglichst unmittelbar Nähe zu einem anderen Menschen bewirkt - Nähe, um viele Details und alle Ebenen eines Problems erkennen zu können. Diesen Teil der Empathie könnte man vielleicht Sympathie nennen.
Nähe alleine ist allerdings nicht viel wert, wenn nicht auch ein Verstehen des (durch die Nähe) Beobachteten erfolgt - in gewissem Sinne eine Deutung der Informationen, um ein möglichst großes Bewusstsein über die problematische Realität zu bekommen.
Schließlich sollte ein Mensch über ein großes Maß an Lebenserfahrungen verfügen und sowohl wissen, welche Kräfte da als Ursachen und Wirkungen in Erscheinung treten, als auch einschätzen können, welche leidvollen Emotionen entstanden sind oder weiterhin entstehen können.

Mit Affinität (Sympathie), Bewusstsein (Verstehen), Erfahrung und Wissen (Lebenskompetenz) kann man die Bedingungen für den theoretischen Teil der Empathie erfüllen, sprich, jemand ist befähigt, sich in die Lage eines anderen Menschen hinein versetzen zu können. Aber was hilft das einem Bedürftigen? Reicht allein das für eine Hilfe aus, kann das Problem kein sehr großes gewesen sein, oder die Hilfe war eigentlich nur eine Art Trostpflaster - das denen allemal reicht, die gar keine Hilfe wollen. Für eine echte Hilfe brauchen wir also ein Tun, ein Tätigwerden.

Aktive Nächstenliebe, so möchte ich den empathischen Dienst an einem Mitmenschen nennen, braucht (wenn die theoretischen Voraussetzungen erfüllt sind - sonst landen wir sofort auf der Ebene der hilflosen Helfer) einen pragmatischen Teil, eine Instanz, die WEISS, was zu tun ist. Nach meiner Erfahrung ist das der weitaus schwierigere Teil. Er verlangt vom Helfer nicht nur einen möglichst breit gefächerten Katalog von verschiedenen Möglichkeiten zur Unterstützung, er muss auch dem Menschen, dem er helfen will, in DESSEN Rahmen zur Mithilfe verpflichten - was eine genaue Kenntnis der Fähigkeiten des Anderen erfordert.

So kann es dazu kommen, dass aktive Nächstenliebe sich ganz verschieden in Szene setzt. Einem, der sich fremde Energie erschleichen will, wird man ein sehr kurzes Lächeln widmen, einem fremden Opfer, dass akut Hilfe braucht, wird man vorbehaltlos alles Verfügbare geben, und einem Menschen, den man lange und sehr gut kennt, kann eine Aktion erfahren, die er erst mal gar nicht verstehen kann.

Unsere Gesellschaft zeichnet sich aus durch zunehmende Gefühlskälte gegenüber anderen und einer wachsenden Ich-Bezogenheit, sprich rein egoistischen Aktionen. Vieles geht vielen Menschen einfach "am Arsch vorbei", auf vieles reagieren sie emotional bis naiv/dümmlich. Wo Aktionismus erscheint, darf man die Frage nach der Ernsthaftigkeit stellen, ob da nicht vielleicht der Form halber Interesse geheuchelt wird. Empathie ist jedenfalls nicht, sich über Missstände das Maul zu zerreißen, auch nicht, ein paar floskelhafte Streicheleinheiten an Mannfraukindtierpflanze zu bringen. Empathie gehört für mich auf die Ebene von Liebe, und die ist in Zeiten, wo sich Angst und Verwirrung als Stress und Ignoranz äußern, eher selten anzutrefen. Aber wer an den drei Ebenen des eher theoretischen Teils von Empathie arbeitete und auch sich am pragmatischen Teil übte, HAT Empathie - auch wenn das bedeutet, dass das Lernen und Weiterentwickeln der Fähigkeiten wohl niemals aufhören wird. Zu verschieden sind die Menschen, zu dramatisch die Informationen, die überraschend aus den Tiefen der traumatisch geschützten Tiefen empor steigen können. Klar, Ignoranten führen sicher ein ruhigeres Leben, ein glücklicheres sicher nicht.


Wiki 1
Empathie mit einem anderen Menschen bedeutet, sich in dessen Lage zu versetzen und mit ihm mitzufühlen, sich darüber klar zu werden, was der andere fühlen muss, sowie die eigenen Gefühle  zu erkennen und angemessen zu reagieren. Ein Lebewesen  ist mit einem anderen empathisch, wenn es sich in dieses einfühlt, sich also vorstellt, es wäre das andere, beziehungsweise so fühlt, wahrnimmt und denkt, als wäre es das andere.

Wki 2
In der Psychoanalyse deckt sich der Begriff der Empathie mit dem Begriff Einfühlungsvermögen, den bereits Sigmund Freud definiert hat. Besonders deutlich hat jedoch sein Schüler Theodor Lipps (1906, S.198) diesen Begriff bereits 1906 so definiert, dass er mit dem heutigen Begriff Empathie deckungsgleich ist.

Wiki 3
Veraltet ist die Auffassung, dass Empathie es ermöglicht, Gefühle zu teilen oder gar „in den Anderen einzudringen“. Dieser Vorgang wird mit Gefühlsansteckung (engl.: Emotional Contagion) oder auch "Mitgefühl" bezeichnet (für Therapeuten schwierig, aber nicht immer vermeidbar) oder ist sogar eine Grenzverletzung (für Therapeuten unbedingt zu vermeiden).

Wiki 4
Da Gefühlsansteckung und Empathie oft miteinander verflochten auftreten und das Eine mit dem Anderen dann gleichgesetzt wird, ist eine begriffliche Trennung nicht nur für Therapeuten, sondern auch im Alltag von großer Bedeutung. Gefühlsansteckung (und auch „Mitgefühl“) ist immer eine Überschreitung der persönlichen Grenzen, was das Wort „Ansteckung“ ja auch aussagt. Sie kann als positiv oder negativ empfunden, als Hilfe oder Therapie eingesetzt werden oder eher belastend wirken. Gefühlsansteckung geschieht oft unwillentlich, sie kann aber nur kognitiv beendet werden.

Wiki 5
Die Fähigkeit zur Empathie kann als Evolutionsvorteil gesehen werden, etwa durch das Ermöglichen des Erkennens von Vorwänden.

Weltbild:
Kein Thema fasziniert die Menschen so sehr wie die Liebe. Die Liebe ist allgegenwärtig. Gleichzeitig bilden Belastungen jeglicher Art immer wieder Hürden im Leben eines Menschen, die es zu überwinden gilt. Mit diesen Belastungen muss jeder Mensch zunächst einmal alleine umgehen. Sie müssen aber auch innerhalb seiner Partnerschaft bewältigt werden. Manche Paare scheitern, manche Paare halten der Herausforderung stand. Es ist folglich davon auszugehen, dass die Paare, die erfolgreich Probleme und Belastungen bewältigen, andere Strategien verwenden als die Paare, die sich trennen. Möglicherweise ist auch die Empathie - die Einfühlung in eine andere Person - an diesem Prozess beteiligt, sollte sie einem Menschen doch ermöglichen, die Bedürfnisse des Partners besser zu erkennen und zu verstehen.

Ohne Liebe zu sich selbst ist auch die Nächstenliebe unmöglich. Der Selbsthass ist genau dasselbe und erzeugt am Ende dieselbe grausige Isoliertheit und Verzweiflung wie der helle Egoismus.
Hermann Hesse

"Nicht weil es schwer ist, wagen wir es nicht, sondern weil wir es nicht wagen, ist es schwer." Seneca

"Eine Wahrheit kann erst wirken, wenn der Empfänger für sie reif ist." (Christian Morgenstern)

 "Die Liebe ist ein Erleben des anderen in der eigenen Seele. Wo Liebe, wo Mitgefühl sich regen im Leben, vernimmt man den Zauberhauch des die Sinneswelt durchdringenden Geistes."
Rudolf Steiner

"Für mich stellen Liebe und Mitgefühl eine allgemeine, eine universelle Religion dar."
Dalai Lama

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