Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

 Wolfgang

 Themen
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Verknüpfung

12./21. März 2010

Das Kaleidoskop dreht sich, ich sage mal, unaufhaltsam weiter. Ich glaube, die Weiterentwicklung eines Bewusstseins wird erst möglich durch eine Funktion, die ich hier Verknüpfung nenne und die sowohl eine Schrittfolge als auch die passende Treppe dazu beschreibt. Der Bewusstseinsprozess hat einen immanenten Vorwärtsdrang: Bewusstsein will (und muss) sich entwickeln. Da fällt mir doch glatt der Spruch ein, den ich vor vielen Jahren formulierte:
Wer einmal auf DEM Weg ist, kann ihn nicht wieder verlassen.

Die Kausalität (ein kausales Ereignis) hat eine feste zeitliche Richtung, die immer von der Ursache ausgeht, auf die die Wirkung folgt. Kurz: Ein Ereignis oder der Zustand A  ist die Ursache für die Wirkung B, wenn B von A herbeigeführt wird. Beispiel: „Der Tritt auf das Gaspedal verur- sacht, dass das Auto beschleunigt“.

Alle Zeitkoordinaten der Relativitätstheorie haben aber gemeinsam, dass kausal zusammenhängende Ereignisse dieselbe Reihenfolge  haben (die Ursache also stets zeitlich vor der Wirkung  kommt).

Warum das Kausalitätsprinzip nicht (immer) stimmt.

Die wohl bekannteste Verknüpfung ist die zwischen Ursache und Wirkung - die am wenigstens bekannte Tatsache ist, wie unbekannt sowohl Ursachen als auch Wirkungen
sind oder sein können.

Das wir bestimmte Dinge nicht vorhersagen können, spricht nicht dagegen, dass ein Ergebnis bereits relativ - z.B. als Idee - existiert. Ebenso verhält es sich mit einem Ergebnis. Sagt jemand, er werde krank (ohne das ein Grund für diese Annahme gegeben ist), und er wird krank, spricht man auch von einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung. Bedeutet die Annahme, man könne durch einen Gedanken Zukunft gestalten. Es kann sich aber auch anders verhalten, dass man einen Blick in die Zukunft erhaschen kann und dieses Gefühl als etwas Kommendes ausdrückt.

Es gibt Wahrscheinlichkeiten
Lasse ich einen Stein fallen, wird er auf den Boden fallen. Lasse ich hundert Mal einen Stein fallen, wird er hundert Mal zu Boden fallen - wahrscheinlich das 101. Mal auch. Und wie verhält es sich mit dem Krug, der solange zum Brunnen geht, bis er bricht? Und mit Menschen, die eine Tätigkeit mit immer mehr Routine und immer weniger Aufmerksamkeit verrichten?

Es gibt "Zufälle"
Einem Menschen fällt ein Blumentopf auf den Kopf; er tat ursächlich nichts dazu. Seine Entwicklung wird abrupt gestoppt, nichts Positives an diesem Geschehnis zu entdecken. Opfer einer "fremden" Willkür?
Ich erwähne hier nur kurz mein Bild einer Doppelwelt, zwei völlig polare Welten, die ineinanderfließen und sowohl Zufall als auch Determiniertheit erzeugen. Wobei die Option eines Zufalls für das psychische Befinden eines Menschen sehr hilfreich sein kann.

Kausalität ist keine Einbahnstrasse!
Ich führe zwei Beispiele an:
- ein kranker Mensch braucht Hilfe. Das Motiv für das Leisten der Hilfe liegt nicht allein in der Krankheit, obwohl eine Bedürftigkeit, Leid und Elend Motiv für das Tätigwerden sein können. Aber ich glaube, das erste Motiv, sich Krankheit zuzuwenden, liegt in der Zukunft, den Kranken gesund zu machen. Und ich glaube weiter, dass dieses Motiv eine viel stärkere Kraft hat: Das Bessere (nicht das Stärkere!) soll sich durchsetzen - DAS ist das eigentliche Ziel.

Dazu ein Text aus der Erklärung für Kausalität:
Damit ein Grund vorliegt, müssen zwei gegeneinander gerichtete Kräfte, ein Agonist (konstruktiv) und ein Antagonist (destruktiv) existieren. Die Kraft des Agonisten ist größer als die des Antagonisten.

- ein Säugling wäscht nicht, weil er klein geboren wurde. Es wächst, weil es groß, ein erwachsener Mensch werden soll. In diesem Fall liegt die Ursache für das Wachstum in der Zukunft. Es existiert ein Bild von einem Erwachsenen, und der Wachstumsprozess folgt diesem Bild.
(ich glaube, Günter Grass bexchreibt in seiner "Blechtrommel" einen Menschen, der seine Entwicklung von diesem Zukunftsbild lösen konnte. Theoretisch könnte man sich also auch vom körperlichen Tod lösen.)

Bifurkation - der offene Weg?
Ich glaube nicht an eine Entwicklung unter der Prämisse von Beliebigkeit.
Ich behaupte auch nicht, jeder Mensch könne über seinen Weg frei entscheiden und das Bessere tun. Aber ich glaube an eine grundsätzliche Verfügbarkeit der Option, das Bessere tun zu können. Diese Option steht zur Verfügung, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt sind. Insofern ist sie objektiv und eben nicht beliebig.

Damit wären wir am Kern angelangt, der pragmatischen Seite von Verknüpfung. Jeder Mensch ist jederzeit in der Lage, seine Einstellung, und damit die Grundbedingungen für sein Leben, für sein Wirken und für seine Gefühle, zu verändern. Allerdings nur unter der Bedingung, sich nicht mehr auf verwirrende und angstmachende Spielchen einzulassen, konstruktiven und kreativen Zielen zu folgen - und dabei in kauf nehmen müssen, als nicht mehr normal zu gelten.
(sollte sich jetzt das Argument bilden, die Gehirnforschung würde von festen Verknüpfungen sprechen, die unveränderlich seien, antworte ich: ALLES ist mit einer festen Absicht veränderbar, allen voran die genetischen Dispositionen.)



Wichtig für jede menschliche Existenz ist eine Empfindung, die aus seiner Einschätzung zur Entwicklung entsteht.
Die kann verschieden sein:
Alles ist gut und wird besser;
alles IST gut;
alles WIRD gut;
alles wiederholt sich nur;
alles ist schlecht;
alles wird schlechter;
alles wird IMMER schlechter.

Und sie ist abhängig von seiner Informationslage:
- welche Quellen werden gesucht;
- wie werden sie geordnet und
- bewertet, und
- welche Erfahrungen hat der Mensch gemacht, und hat er sie
- konstruktiv oder destruktiv verarbeitet.

Ganz wesentlich für die Gestaltung seiner Empfindungen aber ist die Projektion seiner (subjektiv) verarbeiteten Informationen in die Zukunft. Hier scheint eine direkte Kausalität zu wirken: schlechte Erfahrungen, schlechte Bewertung, schlechte Erwartung.
Nun, ihr würdet euch sicher wundern, wenn ich nicht auch das in Frage stellen würde. Klar, ich glaube, man kann diese Verknüpfung durchbrechen, Informationen anders als "normal" bewerten. Denke gerade an das Buch von Thorwald Dethleffsen "Schicksal als Chance".

Ein Mensch kann agieren und reagieren. Reaktive Handlungen bedingen sich aus Reflexen oder aus Handlungsmustern, die weder einer intelligenten Vernunft folgen, noch direkt/biografisch erworben sein müssen - es gibt eben archaische Muster, die sich ungetrübt durch die Generationen wälzen.

Ergo: des Menschen Freiheit besteht in der Möglichkeit, auf viele Optionen greifen zu können; sein Schicksal besteht darin, es wegen seiner Determiniertheit nicht zu können.

Verknüpfung
Lange Jahre beschäftigte mich die Gottesvorstellung, allem voran die Frage: "Wenn Jesus ein Gottessohn war, warum sind dann nicht alle Menschen  - gleichermaßen - Gotteskinder? Eines wurde mir jedenfalls recht früh klar: Wir Menschen sind mit unserem Ursprung verbunden. Im Laufe der Zeit entdeckte ich eine weitere, wesentliche Verknüpfung: Wir sind auch mit einem "Bild" unserer Zukunft verbunden. Daraus leitete ich ein Menschenbild ab:
Wir sind die "Mittler" zwischen Vergangenheit und Zukunft. Menschen wurde durch Leben die "Option eines Weges UND ein Ziel" gegeben, suchen und gehen müssen sie selber.

Wikipedia und das Polare Prinzip

Einerseits:
Die Bifurkation ist zeitlich gebunden und ist in der Zeit einseitig in die Zukunft gerichtet. In jeder Verzweigung scheinen zwar winzige indeterminierende Umstände beteiligt zu sein und auch die Kausalität scheint im Grossen determinierend zu wirken, jedoch scheinen die Ausgänge dieser Bifurkationen nicht vorhersehbar zu sein. Die Zukunft ist deswegen für komplexe Systeme im Allgemeinen offen. Dies kann man in einem Postulat folglich zusammenfassen:

    „Es existiert also kein fester Plan, nach dem alles in der Welt uhrwerkmäßig abläuft. Das Weltgeschehen ist vielmehr als offenes System anzusehen, für das allenfalls bestimmte Rahmenbedingungen gelten.“

Andererseits:
Am Beispiel des Doppelpendels kann man diesen Sachverhalt anschaulich darstellen. Das Doppelpendel besteht aus zwei miteinander verbunden Pendeln. Ein erstes Pendel wird an das Ende eines zweiten Pendels gehängt, so dass beide frei schwingen können. Durch diese Koppelung wird das Schwingen des ersten Pendels, durch die Schwingung des zweiten Pendels beeinflusst und umgekehrt. Wenn beide Pendel unbewegt sind, dann hängen sie natürlich einfach zum Lot herab. Bei starker Drehung ist die Bewegung der Pendel ebenfalls gleichmässig. Beide Pendel rotieren gestreckt um den Anhängepunkt. Bei mittelmässigem Anstossen entwickeln diese Pendel jedoch ein indeterminiertes Verhalten. Am Scheitelpunkt der beiden Pendel entsteht ein Chaos, denn jedes Pendel muss sich vorher quasi entscheiden, in welche Richtung es ausschlägt. Die Pendel reagieren auf kleinste Veränderungen in ihrer Umwelt. Deshalb scheinen die Pendelbewegungen unter gleichbleibenden Umweltumständen für eine gewisse Zeit voraussagbar zu sein. Nun spielt aber die Potenzierung, der in kleinsten Verhältnissen, nicht voraussagbaren Bifurkationen eine wesentliche Rolle bei der Bestimmung der Pendelbewegungen nach vielfacher Wiederholung. Und deshalb wird der Ausgang der Pendelbewegungen über längere Zeit nicht voraussagbar sein; selbst bei Kenntnissen aller möglichen daran beteiligten Variablen. Trotzdem muss man sagen, dass ein Beweis, dass es selbst in den hier besprochenen Beispielen keine Determination gibt, nicht geliefert worden ist. Auch die sogenannten Bifurkationen könnten im Grunde genommen determiniert sein und wir würden diese Determinationen nicht sehen, da wir einige Parameter bisher nicht entdeckt haben könnten.

Bravo - ein kluger Gedanke. Einer der unbekannten Faktoren ist die Verknüpfung von Vergangenheit und Zukunft.


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