Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

Wolfgang

Angst 3. März 2010
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Woher kommt die Angst? ich weiß nicht, ob das ein thematisch folgerichtiger Ansatz ist, nachdem ich gerade die "Rache" abhandelte.  Warum ich einige zentrale Themen immer wieder aufgreife? In den letzten Tagen lief mir bei der Recherche immer wieder mal der Begriff "Altes Wissen" über den Weg.
Ich halte ihn für gefährlich!
Dazu ein Text, den ich im März 2003 schrieb:

Und wenn einige der sich weise-fühlenden Menschen behaupten, alles Wissen sei vorhanden, empfinde ich deren Einschätzung oder Wahrnehmung als gefühlskalt – denn sie müssen dabei auf einem Standpunkt stehen, der die Welt mit ihrem Leid sinnlos macht, weil es nur um Verlorenes, und nicht um Neues geht.
Es sieht so aus, als würde mein Gedanke nur etwas anders sein als der herkömmliche, aber er ist grundverschieden:
Geist würde sich nicht durch die Natur (des Lebens) offenbaren und eine Entwicklung starten, wenn damit nicht Neues geschaffen werden müßte. Leid symbolisiert das „Alte“, Glücklichsein das „Neue“.
Und der Gedanke, das sage ich deutlich, ist meinem Gefühl entsprungen und kein geistiges Konstrukt.

Also, ich dachte und denke immer noch üb
er Lebensfragen nach, auch wenn bereits viel und immer über existentielle Grundfragen nachgedacht wurde. Dieser Prozess darf und wird niemals aufhören, bevor wir wirklich wissen. Darum das Folgende, getreu meinem Wahlspruch:
Wo andere aufhören, fange ich "nobody" an!

Die Kernfrage stellt sich, ob Angst eine eigenständige Kraft ist, oder nur ein Wirkungs-Phänomen mit einer fremden (und uns unbekannten) Ursache? Alles andere, z.B. Angst in ihren Darstellungsformen zu analysieren, halte ich für einen die Erkenntnis wenig förderlichen Weg. Erst sollte man den Kern kennt, dann erst man auch das Drumherum einschätzen.

Meine Einstiegs-These lautet:
Angst ist eine - destruktiv scheinende - Form der Lebensenergie.

So wie bei "Rache" auch, kommen einige Stimmen von Geistern, die es auch wert befanden, über ein Grundelement menschlicher Existenz nachzudenken, zu Wort. Hier jedoch stelle ich ganz unbescheiden ein Gedicht voran, das ich auf Kreta verfasste.

Angst
Viele machen aus ihrem Herzen keine Mördergrube
es ist eine.
Mit großen Augen schielen sie auf den Teppich,
vor Angst, vom Sofa zu fallen, ja, das ist ihr Horizont.
Die Stube ist ihr Reich, die Tapete ihre Grenze
Hier auf Kreta tragen sie Pistolen,
viele Männer, warum genau weiß keiner.
Die wahrhaften Feinde bekommen sie nie zu Gesicht
und träfen sie sie, keine Kugel könnte sie treffen.
Sie haben Angst, vor was auch immer,
aber wollten sie ihre Angst besiegen
mit einer Pistole, sie müßten sich ins Herz schießen.
aber davor haben sie auch Angst, noch größere,
da ist es viel angenehmer,
den Frieden zu bedrohen, der sich nicht wehrt,
eine Ziege zu erwürgen, die als Nahrung geboren,
ein Kind zu entsetzen, das nichts weiß von seiner Macht.
Angst vor sich selbst, das ist der wahre Krieg.
Angst, welch eine Macht, und
Mut ist nur ihr Echo.
Sie binden ihre Schafe kurz an,
aber ihre Schafe besitzen unendliche
Freiheit gegenüber ihren Herrn.
Sie lassen ihre Esel in der prallen Sonne verdorren,
sie prügeln ihre Hunde, treten ihre Katzen,
aber sie selber werden zehnfach getreten,
müßten sich krümmen wie der Wurm am Haken.
Keine Miene verziehen sie,
diese Helden.
Aus Angst.


Mut ist nicht, keine Angst zu haben, sondern die eigene Angst zu überwinden.
Martina Aschwanden

"Es ist nicht die Angst vor dem Tod, die einen Menschen zu Lebzeiten zu neurotischem Verhalten bringt. Es ist die Angst vor dem "nach dem Tod". Ich glaube nicht, es ist die Angst vor Bestrafung, die den Tod bedeutsam macht, sondern die Angst vor dem Nichts, vor der Nicht-Existenz. Denn, so schlecht das Leben auf der Welt auch gewesen sein mag, es WAR Leben, Dynamik, Wahrnehmung, Beteiligung, ein Geben und Nehmen, Gewinnen und Verlieren, viele Aspekte einer aktiven Existenz.
Die Kehrseite entdeckt man in der (bitte wertfreien) Betrachtung des Verhaltens islamischer Terroristen. Sie gehen mit Freude und einer gewissen Leidenschaft in den Tod, für ihre Überzeugung und die Vorstellung von einem ganz konkreten Leben nach ihrem körperlichen Tod. Was ist da der Tod wert? Man braucht also Menschen nur in sexueller Frustation erziehen - und ihnen das Gegenteil verheißen, um alles menschlich Unmögliche von ihnen verlangen zu können - und es zu bekommen.
Ich meine, mal ganz ehrlich: wer hier aktiv-kreativ seine Sexualität lebte und erlebte, wird doch nicht den Spatz in der Hand gegen eine Taube auf dem Dach eintauschen. Ganz abgesehen von dem Umstand, dass in einer körperlosen Welt jegliche Voraussetzung für Sex, das nötige "Zubehör", nicht vorhanden ist.
(Der Belohnungs-Ansatz war mir schon immer eher pervers, widersinnig: Wie kann man glauben, hier Menschen umbringen zu müssen, um im "Himmel" besondere Vorzüge genießen zu können - wenn schon, käme doch eher das Gegenteil "Hölle" in frage. Gibt es vielleicht in der Realität zwischen "Himmel und Hölle" eine Ebene für das Miteinander von Wahnsinnigen?)

Die Antwort auf die Frage nach einem Jenseits impliziert das Vorhandenseins eines (unsterblichen) Wesens, einer gewissermaßen unzerstörbaren, energetischen Substanz. Eine Bejahung ist für unsere Identität von größter Wichtigkeit. Aber dieses "Ja" kommt (leider) nur selten klar ins menschliche Bewusstsein. Warum das verdrängt wird, wäre ein eigenes Thema wert; es steht seit geraumer Zeit auf der Liste unerledigter Themen.

Gehen wir einen Schritt zum Kern der Angst.
Wenn die Angst ein unverzichtbares Element für Leben und des Menschen Freund ist, fragt sich: Warum brauchen wir diesen Begleiter?
Realität ist, es gibt eine Schutz-Funktion, die Trauma genannt wird. Vom Trauma werden lebensfeindliche Informationen aus dem Informatiosnprozess ausgeblendet. Warum das auf der Menschebene wichtig und unverzichtbar ist, scheint klar:
Damit Leben nicht gelähmt wird, damit ein Maß von Klarheit, das Handeln ermöglicht, Dynamik erhalten bleibt. Aber um was für Informationen handelt es sich, wenn wir von "lebensfeindlich sprechen"? Hier setze ich Leben gleich mit Existenz, und ich wähle beispielhaft die Existenz eines Wesens in Liebe. Bedeutet: das Wesen kommt in die Existenz durch die "Erregung Liebe": Es wird von Gefühls-Energie durchflutet. Nun kommt eine Veränderung, ein ANDERES Wesen kommt, ein Miteinander entsteht mit fatalen Folgen:
Die Liebesenergie wird weniger und weniger - bis ein Stillstand eintritt, Bewegungsunfähigkeit, Null-Erregung, ein Zustand, der für einen Körper Tod und endgültiges Ende bedeutet. In der Fortführung meines Gedankens zum Trauma bedeutet das für unser Leben: DIESER Zustand darf nicht wieder eintreten - darum die Funktion des Traumas. Und wir können auch klar sagen: das Trauma ist eine System-Funktion, die zum Kern des Lebens gehört.























Damit wären wir wieder zurück bei Leben, seiner Bedeutung und seiner Eigenschaften.
Leben ist wesensfremde Energie, eine Hilfe, die Wesen zur Verfügung gestellt wurde. Mit ihrem Gebrauch sind Bedingungen verbunden (worden). Eine ist, auf sein Leben acht zu geben - vorsichtig zu sein, sich um seine Existenz zu sorgen. Dies ist notwendig aus Erfahrung, einem Miteinander nicht vertrauen zu können. Wir lernen hier auf der Lebensbühne, dass wir nicht (blind) vertrauen dürfen. Wir müssen vorsichtig sein, und Vorsicht bedeutet ja, Aufmerksamkeit auf eine mögliche Entwicklung richten,
- die man wegen fehlener Erfahrung (oder mangelnden Bewusstseins) nicht als existentielle Gefahr einschätzen kann. Sorge ist eine auf die Zukunft gerichtete Form der Angst.

Das System Mensch reagiert auf Angst grundsätzlich auf drei Arten:
- Angriff/Verteidigung
- Flucht/Sicherheit suchen
- Erstarrung/abwarten.
(klar, es gibt auch konkrete, irrationale und diffuse Ängst)
Letztere Option ist in der forschenden Wissenschaft nicht besonders populär. Mir fällt gerade eine Filmszene ein, in der ein Affe vor Schrecken in Ohnmacht fällt.

Angst bedeutet zwar auf der einen Seite eine Lähmung des Systems - erstarren vor Schreck/Angst - aber damit ist das System  nur bewegungsunfähig, keineswegs ohne Energie - im Gegenteil, hochgradig mobilisiert.
Das ist also eine sehr wichtige, wenn nicht die wesentliche Eigenschaft von Angst: sie mobilisiert mittels Energie - was meiner Annahme entspricht, Angst sei eine Spielart oder eine Facette der Lebensenergie.

Damit wären wir bei meinem Schlussgedanken angelangt. Er betrifft den Begriff "Urangst". Folgende Textpassage vorweg:

Wo die Angst ist, da ist der Weg.
Japanische Weisheit

Angst ist für die Seele ebenso gesund wie ein Bad für den Körper.


Maksim Gorkij

"Nur das Unbekannte ängstigt den Menschen. Sobald man ihm die Stirn bietet, ist es schon kein Unbekanntes mehr.
Antoine de Saint-Exupéry, Wind, Sand und Sterne"
Viele haben Angst, ihren Geist leer zu machen. Sie fürchten in die Leere zu fallen, und wissen nicht, daß ihr eigener Geist die Leere ist.
Huang-Po, Der Geist des Zen


"Wenn der Geist vollständig in irgendeiner Sache aufgeht, wird er einen Teil seiner Angst verlieren. Nur wenn er in der Liebe und der Erkenntnis des göttlichen Urgrundes aufgeht, wird er jede Angst verlieren.
Aldous Huxley, Die Ewige Philosophie"

"Wenn es möglich wäre, bei Lebzeiten zu wissen, was nach dem Tode mit uns geschieht, würde niemand Angst vor dem Tode haben.
Leo N. Tolstoi, Krieg und Frieden"

Die meisten Menschen haben Angst, dass sie ihre Freiheit verlieren, wenn sie lieben, und können nicht glauben, dass die Liebe gleichzeitig die größte Entwicklung der Freiheit bedeutet."
Erich Fromm



"Die reine Beobachtung ist die Energie, die das, was ist, verwandelt. Wenn Sie das verstehen, dann werden Sie sehen, daß Sie vollkommen frei von psychischen Ängsten sind.
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit"

"Liebe ist Freiheit von Bindungen. Wo Bindungen bestehen, existiert Angst.
Krishnamurti, Das Licht in dir"

"So ist also das "Ich", an das wir uns klammern, frei erfunden. Das könnte die tiefste Ursache der Angst sein -, daß man sich an etwas klammert, das nicht existiert.
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit"

"Wenn wir Angst haben, werden wir gewalttätig. Wir wollen vernichten im Namen Gottes, im Namen der Religion, im Namen einer sozialen Revolution, und so weiter und so weiter.
Krishnamurti, Vollkommene Freiheit"







Als erstes mußte ich lernen, meine Angst zu besiegen, nachdem ich eingesehen hatte, wie sehr sie mich lähmte. Angst macht hilflos und das erzeugt wiederum Angst.
Byron Janis

Es ist nicht möglich, sich von der Furcht hinsichtlich der wichtigsten Lebensfragen zu befreien, wenn man nicht Bescheid weiß über die Natur des Weltalls, sondern sich nur in Mutmaßungen mythischen Charakters bewegt.
Epikur

Einfügen möchte ich ein Wort der österreichischen Schriftstellerin Marie von Ebner-Eschenbach:

"Der wahre Zweck eines Buches ist, den Geist hinterrücks zum eigenen Denken zu verleiten".

Glücksgefühle sind wohltätig für den Körper, aber die Kräfte des Geistes werden durch Kummer entwickelt.
Marcel Proust

Meine Gedanken beginnen mit einem Satz von Francis Bacon, einem englischen Philosophen:
Lesen macht vielseitig, verhandeln geistesgegenwärtig, schreiben genau.

Na, dann schreiben wir mal los:

Wenn unser Geist leer ist, ist er für alles bereit. Im Anfänger-Geist liegen viele Möglichkeiten, in dem des Experten wenige.
Shunryu Suzuki-roshi

Zur Therapie
Du kannst die Wellen nicht stoppen. Du kannst nur lernen, auf ihnen zu reiten.
Karin Krudup

Bedeutet, Angst sei zu transformieren? Nun, Therapie ist ein eigenes Thema. Bisher haben wir auf den Seiten "nur" über eher profane Möglichkeiten gesprochen (Wohlbefinden), der "Seele" Gutes zu tun. Konzepte entwarf ich in den Jahren einige, die alle keinen Bestand hatten. Vielleicht kommt ja noch mal was.

Auf einer Extraseite findet ihr Texte zu den Archetypen der Angst.

Es ist wichtig, Dinge neu zu sehen, anstatt ständig Neues sehen zu wollen.
Nadeshda Brennicke

Ich habe schon immer an die Existenz einer Urangst geglaubt - das war ein, wenn auch unbestimmtes, tiefes Gefühl. Heute bin ich sicher, Wesen kommen mit einem Gefühl, das der Angst entspricht, in unsere Welt der Körperlichkeit und angstmachendem Erleben. Es beginnt bei der Geburt und endet mit der Ungewissheit, wie es weiter geht, Erinnerung an alte Zustände vor unserer Zeit.
Die von Angst gefärbte Lebensenergie schafft vielleicht die Verbindung des sehr feinstofflichen Wesens zur Körperlichkeit. Auch das ist eine Vorstellung vom Wirken der Psyche (gleich Leben!), die ich seit vielen Jahren habe.

Angst - Definition (Lexikon der Psychologie)
Der Tod ist uns gewiß, wenn auch nicht sogleich, während wir dies lesen. Auch die Angst vor dem Sterben ist durch Aufschub und Tröstung gemildert (Todespsychologie). Gefahr jedoch bleibt und ist auch für den, der den Tod wünscht, mit leiblichen Schmerzen (Schmerz) verbunden. Das Wort Angst kommt von ???? und bedeutet drosseln, würgen; lateinisch angor Beklemmung, angustia Enge. Furcht und Angst sind einander ähnlich, aber nicht identisch, auch wenn die Alltagssprache sie meist gleichbedeutend verwendet. Furcht gilt als klar auf eine äußere Gefahr hin ausgerichtet. Angst ist unbestimmt. Der bloße Anblick einer Schlange kann Furcht auslösen. Aber schon ihre unbestimmte Bewegung und vor allem die Vorstellung, was sie alles tun könnte, ist mit einem Gefühl verbunden, für das der Begriff Angst zutreffender erscheint als der Begriff Furcht. In einigen Gefühlstheorien wird Furcht als Basisemotion bezeichnet (Emotion), während Angst als Kombination der Furcht mit anderen Grundgefühlen wie beispielsweise Neugierde, Überraschung, Kummer, Wut und Scham verstanden wird (Izard, 1981). Nach der seit Wilhelm Wundt üblichen Beschreibung von Gefühlen in den Dimensionen Lust - Unlust, Erregung - Beruhigung, Spannung - Lösung befinden sich Angst und Furcht bei Unlust, Erregung und Spannung. Während in der Philosophie seit Kierkegaard Angst als Grundstimmung menschlicher Existenz überhaupt aufgefaßt wird, suchen psychologische Untersuchungen ihre Ursachen zu spezifizieren und ihre Merkmale auf vier Ebenen zu beschreiben: als sprachliche Aussage, körperliche Erregung, offenes motorisches Verhalten und als mimischen und gestischen Ausdruck. Diese Bereiche können relativ unabhängig voneinander agieren, so daß Angst beispielsweise körperlich stark, verbal aber nur schwach zum Ausdruck kommt. Außerdem kann es, wie bei körperlicher Erstarrung oder bei Ohnmacht, vor Angst und Schreck zu extremen Formen der Desaktivierung

Mut ist nicht dieAbwesenheit von Angst. Es ist vielmehr die Erkenntnis, dass etwas anderes wichtiger ist als die Angst.
Jack Canfield

Text zur Angst aus Celestine, Prophezeiungen:
Angst ist ein natürlicher Bestandteil unseres Lebens und ein Verbündeter, wenn es darum geht, eine Gefahr zu erkennen und ihr aus dem Weg zu gehen.
Die Rolle der Angst* und ihre Funktion in unserem Leben zu verstehen, kann für unser Selbstverständnis* von großer Bedeutung* sein.
Angst, zusammen mit ihren beiden Derivaten Besorgnis und Rastlosigkeit, steht unserer Entwicklung so lange im Wege, wie wir diese Empfindungen bestimmen lassen, auf welche Weise wir neue Informationen und Verhaltensmöglichkeiten einzustufen haben. Angst entfernt uns aus der Gegenwart, indem sie uns mit Erinnerungen an Vergangenes oder Zukünftiges oder mit im Augenblick irrelevanten Problemen belästigt. Die Siebte Erkenntnis rät uns dazu, den negativen Denkvorgang zu verändern, indem wir unsere Angstbilder durch andere Bilder ersetzen. Es ist auf jeden Fall wichtig, sich mit Angst auseinanderzusetzen, anstatt sie zu ignorieren oder ihr Vorhandensein zu leugnen.

Auch Friedrich Nietzsche schrieb über die Angst:

Denn unsere größten Hindernisse auf dem Weg zum Übermenschen sind Angst und die Macht der Gewohnheit ... Die meisten von uns sind aber weit entfernt vom Ideal des Übermenschen. Wir haben uns keineswegs unter Kontrolle und lassen uns ständig von unserer Angst, unseren Gewohnheiten und Ressentiments, unserem Aberglauben und anderen Dingen versklaven. Von Geburt an werden wir von der Familie, der Kirche und der Schule abgerichtet, uns Regeln und Gesetzen zu unterwerfen, uns " normal" zu verhalten, an Illusionen zu glauben und uns in den Dienst verschiedener Herren zu stellen. All das, was als " Natur des Menschen" bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit nichts als unsere Gewohnheit. Aus Trägheit und Furcht scheuen wir vor Herausforderungen und Gefahren zurück und stumpfen allmählich gegen die Regungen unseres Gewissens ab.

Viele frühkindliche Persönlichkeitsstörungen (Narzissmus, Borderline, Autismus..) haben einen frühkindlichen Ursprung, wo sich statt Urvertrauen Urangst der Existenz bemächtigt hat.(Exkurs: Frühgestörte Menschensind Menschen, die in ihrer frühesten Entwicklung irritiert, gestört oder übermäßig verängstigt wurden; sie haben in irgendeiner Weise ein Zuviel oder Zuwenig, Mangel oder Gewalt erfahren. Der so Leidende ist an seine eigene Frühzeit fixiert; Frühgestörte sind in die Extreme des Anfangs fixiert, an die Gefälle von Allmacht und Ohnmacht, behaftet mit einer Scham, überhaupt zu existieren. Frühgestörte Menschen erleben sich wie abgenabelt von der Liebe, die einfach liebt, vom Boden, der einfach trägt, von den Quellen der Lebenslust. Aus dem permanenten Mangel wird Sucht, Kompensation und der Zwang „normal“ zu sein.: vgl. dazu: in: L. Riedel (Hg.), Normalität und Wahnsinn, M. Renz , S.243-262)

Diese Urangst liegt den unzähligen Nöten und vielfältigen Angstformen zugrunde .In der Urangst ist das ganzheitliche Einsein verlorengegangen und der Mensch fühlt sich fremd, verlassen, heimatlos und einsam (vgl. Die Winterreise von Franz Schubert als musikalischer Ausdruck solch existentiellen Grundgefühls). Bilder für diese Erfahrungen könnten sein: die Wüste, die karge Natur, vor Hunger ausgemergelte Gestalten, der durchlöcherte Boden, das abgrundtiefe verschlingende Loch....(vgl .dazu Renz, Zwischen Urangst und....a.a.O., S. 142 f.) Das vorher bergende Umfassende und Ganze ist für das innere Erleben bedrohlich, gewalttätig und abgründig geworden. Auch Traumata der späteren Kindheit wie anhaltende Verlassenheit, sexuelle Misshandlung, Kriegsnot verhindern eine natürliche Vertrauensbasis. Dabei bleibt aber das traumatische Erleben vom Bewusstsein abgespalten und wirkt untergründig wie verwünscht und vergiftend; es ist da ohne da sein zu dürfen und kann in Worten oft nicht fassbar gemacht werden.

Hier noch ein paar Worte zu meiner Definition von

Bewusstsein -
ein Zustand, in dem man über alle Informationen verfügt, um zu wissen, woher etwas kommt und wohin es sich entwickelt - genauer, aber vereinfacht, gesagt: die Kontrolle über die (fließende) Gegenwart zu haben.
Es begann mit einer Trauma-Funktion, die starr funktioniert: bedrohlich und weg damit. Mit dem Trauma als Sicherheit entwickelt sich Existenz hin zu Bewusstsein, zu einem Wesen, das auf Grund seiner Fähigkeiten RICHTIG darüber entscheiden kann, was konstruktiv oder destruktiv ist - oder werden kann.  Das ist ein Stauts, mit dem Liebe möglich ist, und zwar ohne Angst vor einer Erstarrung haben zu müssen.

Heute kam ein großes Stück Rauchquarz-Kristall an. Während ich auf dem Sofa lag und meine Gedanken fließen ließ, hatte ich eine Hand auf den Stein gelegt, und dachte: Ob Vielleicht auch dieses Stück Kristall wieder lebendig sein und aktiv-existent werden will?

Ein Bild der gestrigen Foto-Session am Bach


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