Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

Wolfgang

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Warum ...

15. Februar 2010

... bin ich heute morgen um kurz vor sechs wieder aus dem warmen Bett gekrabbelt und schaltete den Rechner ein - ich war erst ein paar Momente vorher dorthin gegangen, und zwar müde! Es war ein Gedanke, nicht mal ein so wichtiger, der mich entsprechend auch nicht hoch schreckte, sondern mich gelassen die Decke zurück schlagen ließ´; dann kochte ich Kaffee und schmierte mir ein Brot.

Warum, ein kleines Wörtchen. Ich benutzte es oft in meinem Leben, und es steht auf den vielen Seiten, die ich schrieb, nur auf wenigen nicht. Vielleicht ist deshalb so gut wie nichts von dem Erlebten und Gedachten veröffentlicht. Öffentlich macht man Antworten, wer "klug" ist, stellt sich dar. Andererseits sagt man, eine dumme Frage sei gescheiter als zehn kluge Antworten. Parallel zu diesem kleinen Aufsatz mache ich eine Seite mit einer Geschichte, die ich auf Kreta erlebte. Sie heißt: "Ein Reinfall hoch hinauf". Viel interessanter ist die Frage: wodurch entsteht Streit? Dann, und NUR dann, wenn sich zwei verschiedene Antworten begegnen; um Fragen wird nicht gestritten.

In den Jahrhunderten wurden von zahlreichen Geistern viele Antworten geliefert. Wie entwickelten sich die Menschen auf dieser Grundlage, wohin brachten sie ihre Welt, ja, mal direkt gefragt: Wohin führte uns der Geist der Antwort? Eben dachte ich, ob uns die Welt - ich meine damit nicht nur Wissenschaftler und Philosophen - mit ihren vielen Antworten vielleicht dahin führen will, die richtige Frage zu stellen. Ob es eine Frage gibt, die eine, und zwar DIE Antwort impliziert?
Sucht Leben nach einer Frage?

Zugegeben, der Ansatz klingt ziemlich verrückt; was im Grunde nichts bedeutet. Vorgestern unterhielten Susanne und ich uns über das System. Kommt fast automatisch immer wieder auf den Tisch, weil wir mittendrin stecken in einer so genannten Normalität, in einer Kultur, die eher etwas mit Kult als gesellschaftlich-geistigen Gütern zu tun hat. Ich schrieb das Wort "scheinlebendig" auf, um die Menschen zu beschreiben, die vor dem Fernseher nicht mal das Leben anderer, sondern ein künstliches, ein pseudolebendiges Treiben verfolgen. Sie nehmen teil an einem System, das ihnen Denkanstösse liefert, und sie meinen, SIE würden denken; sie werden emotional bewegt, und sie meinen, SIE würden fühlen.

Wir stellten auch Fragen zum Wahnsinn.
Warum gibt es Mittel und Methoden zur Verbesserung unserer Welt - und ich meine die Welt als Ort UND den fühlenden Menschen -, die nicht angewendet werden, die in der Schublade versteckt wurden? Es gibt Persönlichkeiten, die ein Volk zum inneren und äußeren Wohlstand führen könnten, die aber nicht das tun, was sie tun müssten. Warum regieren uns die "Anderen", die den Rahmen für gesellschaftliche Existenz nicht vereinfachen, sondern komplizieren? Stellten sich Politiker ins Lager der Macht wegen ihrer Angst, um mit Angst die die Massen zu kontrollieren, in Schach zu halten?
Wollen Menschen sich von menschlicher Angst lenken lassen? Kann Angst moralische Wert ersetzen, oder, muss sie das? Immerhin kommen wir mit per Geburt verordneter Todesangst auf der Welt an, einer Welt, deren Konditionen nicht nur aus Schönheit und Nutzen, auch aus Unwägbarkeiten und Gefahren bestehen.

Es könnte alles besser sein, die richtigen Antworten gibt es nicht erst seit gestern. Aber für mich ist die Kernfrage: warum unterstützen die Menschen, die unter dem System leiden, dieses System. Beschränkt sich der Ordnungssinn vieler darauf, dass der Supermarkt pünktlich mit reichlich bestückten Regalen öffnet, dass das Büdchen beleuchtet und der Müll abgeholt ist? Was ist das für ein System, in dem die richtigen Antworten verschlossen werden, und gewählt wird, was Schaden anrichtet? Was sind das für Menschen, die das zulassen? Sind Mensch und System und Welt gar aus einem Holz geschnitzt, ein Schwert, auf dessen einer Seite Wahnsinn und auf der anderen Verderbis geschrieben steht?

Überleben bis zum Tod.
Kein Sorge, wir kommen der Frage langsam näher. Mein Gedanke kurz vor dem Aufstehen betraf die Seite der Arbeit des Menschen. Voraus schicken sollte ich, dass auch der größte Faulpelz (der Definition) 24 Stunden täglich arbeitet. Nun, ich glaube, dass viele Menschen ein großen Teil ihrer Lebenszeit/Lebensarbeitszeit damit verbringen, vor dem Tod weg zu laufen. Etwas sarkastisch könnte man feststellen, dass sie in die verkehrte Richtung laufen - oder, ein wenig versachlicht, in einer kreisförmigen Bewegung zur Kehrseite ihrer Geburt zurückkehren. Dies geschieht mehr oder weniger mühsam, je nach dem, welche "kulturellen" Ansprüche es zu befriedigen gilt, wozu gehört, alt und älter zu werden, auch, möglichst gesund zu sterben. Erst im Angesicht des Todes kommt vielleicht unter günstigsten Vorausetzungen jemand auf die Idee, Überleben könne eventuell (s)eine fixe Idee gewesen sein.

Warum ist das Leben SO?
Zum Leben als Phänomen stellte ich bereits seit meiner Zeit auf Kreta vor zwanzig Jahren Fragen mit den verschiedensten Zielrichtungen. SO zum ersten Mal, ich meine, so umfassend, so direkt und unverblümt: warum gerade so? Eine umfassende Frage, weil sie eine mumfassende Antwort geben soll:
für den Menschen als Individuum mit all seinen Rollen, mit seiner geistigen und sozialen Entwicklung, seinem Leid, Laster, und Glück, seinem Miteinander und seiner Einsamkeit, seinen Bedürfnissen, Ängsten und Irrungen, seinem Streben, Hoffen und Glauben. Auch Antwort geben soll, warum die Bedingungen auf der Erde gerade SO sind, warum der Mensch gerade in ein SO gestaltetes System eingebettet wurde. Warum gibt es gerade DIESE Form der Dynamik, in der Arbeit zur existentiellen Sicherung, zur Versorgung notwendig wird? Warum muss es verschiedene Rassen und Kulturen geben, und vor allem: die daraus entstehenden Konflikte?
Warum auf der einen Seite ein Geist, der ausbeutet, betrügt und unsinnige Vermögen zusammen schachert, und auf der anderen Seite ein wachsendes menschliches Massenelend. Warum ein Geist der Wissenschaft, der Atome bis ins Nichts zertrümmert und auf einer gottgleichen Ebene nach dessen Zügeln greift, und auf der anderen Seite eine Natur, die mit zunehmender Geschwindigkeit geplündert, verschandelt, zerstört wird.
Warum sitzt dem Leben gerade DIESER Geist im Fell?

Warum?
Üblicherweise fängt das kausale Denken damit an, diesen Geist als Ursache zu benennen und sein Folgen als Wirkung. Aber was nun, wenn dieser Geist nur eine Wirkung ist von einer "über" ihm stehenden Ursache?

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Kastelli - ein Reinfall hoch hinauf