Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

Tagesschau

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Dienstag, 28. Juli 2009


Bei uns gibt es seit zwei Wochen ein

Tagebuch, nun auch eine "Tagesschau". Was das soll? Da wir ja beide nicht fernsehen, ja, nicht mal die Tagesschau, nein, auch nicht die Spätnachrichten, dachten wir, dass wir eigentlich auf unseren Radtouren auch eine Art Tagesschau erleben, sie selbst produzieren mit Erlebnissen und Bildern. Und ich sage es mal unverblümt, was ich glaube: viele Menschen kennen sich in China besser aus, als in ihrer näheren Umgebung. Klar, China ist natürlich ein wahnsinnig interessantes Land, und das Ruhrgebiet ist stinklangweilig. Ja, wirklich? Wir laden euch herzlich ein, uns auf unserer Tagesschau zu begleiten.

Heute war mal wieder einer unserer besonderen Tage; das lag weniger am Erleben. Eine besondere Stimmung lag in der Luft, als wir endlich mit dem Auto nach Gerthe zu unseren Fahrrädern fuhren. Wohin die Reise gehen sollte, bestimmte eine kleine Notwendigkeit: in Herne die Fahrradhandschuhe von Frank Korte abholen, die er für Susanne bestellt hatte. Und ich hatte erhebliche Probleme mit meiner Gangschaltung, die sich in den letzten Tagen verschärften. Ich solle mir fachmännische Hilfe holen, sagte Susanne, und ich wusste, sie hat Recht.

Während ich mit dem Fachmann mein Rad inspizierte, machte sie ein paar tolle Technik- Bilder. Ja, Frauen verstehen absolut nichts davon, oder doch. Ein Bild zeige ich hier mal, die anderen kommen auf eine Extraseite.

Während Wolfgangs Fahrrad unter die Lupe genommen wird, und ich im Laden fotografiere, nehme ich auch die Menschen und die Stimmung wahr. Wer viel mit Menschen zu tun hat, der weiß, es gibt nicht nur die Netten, es gibt eben auch die anderen. Da ist zum Beispiel eine total sympathische Familie mit drei Kindern im Laden, aber auch so'n schicker Single-Typ, der sich ein sündhaft teures weißes Rennrad kauft und von einem weiteren Ehepaar mit einer Mischung aus Neid und Arroganz beäugt wird. Was ich auch beobachte ist, dass hier jeder zuvorkommend und freundlich bedient wird, auch wenn er zehn Minuten nach Ladenschluss kommt, und eigentlich nur ein bisschen rumnerven will.

Da Wolfgang hier immer ganz gerne rumklönt, habe ich jedenfalls reichlich Gelegenheit für ein paar interessante Schnappschüsse, so wie den folgenden.

Die große Steinkugel auf dem Brunnen ist eins unserer Herner Lieblingsmotive. Auch heute machen wir kurz Halt, um ein Foto zu schießen, als uns eine ganz besonders liebenswürdige Dame anspricht. Durch uns wird sie heute zum ersten Mal auf das Spiegelbild auf der Kugel aufmerksam, obwohl sie täglich auf dem Weg zur Arbeit hier vorbeikommt. Und sie ist echt begeistert. Wir kommen ins Gespräch. Sie sei nicht fotogen, antwortet sie auf Wolfgangs Frage, ob er ein Foto machen dürfe.


Wir fotografieren für unsere Homepage nur Menschen mit einer besonderen Ausstrahlung, Menschen, die uns etwas zu sagen haben und mit denen wir uns verbunden fühlen, vielleicht weil sie Dinge sehen, so wie wir sie sehen, vielleicht weil sie isch dem Leben freudig, gefühlvoll zuwenden. Deshalb gehört diese tolle Frau unbedingt auf unsere Seite, ...

Inzwischen ist es schon sieben, unser Bratwurststand hat zu, und statt Würstchen zu essen fahren wir lieber noch ein bisschen. Unser Ziel: Ein Eisenbahngelände, auf dem wir im letzten Jahr tolle und VIELE Brom- beeren pflückten.  Mal schaun, wie weit die schon sind. Den genauen Weg wissen wir leider nicht mehr. Aber wenn wir auch ganz woanders ankommen sollten, es ist ganz egal, solange wir unterwegs und beisammen sind.

Wer es noch nicht bemerkte: wir sind hier in der Redaktion zu Zweit und schreiben beide. Und ich erlaube mir gleich eine kleine Ergänzung zu der Dame im roten Shirt: Menschen wie sie, die aufmerksam, bescheiden und freundlich sind, machen den wahren Reichtum "unserer" Welt aus. "Herzlich willkommen!"

Links im Bild stellen wir eine "Klette" vor. als Kinder haben wir uns mit den Früchtchen beworfen, und einige Rabauken wuselten sie den Mädchen in die Haare. Das war noch eine Art ehrlicher Kampf der Geschlechter, zwar auch gemein, aber nicht subtil und entwürdigend. Vielleicht war es auch statt gemein nur eine Art Necken, eine Art, mit der erwachenden Sexualität umzugehen.
Wer sich für die Klette als nützlichen Teil seiner Welt interessiert, findet einige Informationen unter diesem Link.



"Kletten" nennt man übrigens auch Menschen, die andere so gar nicht in Ruhe lassen wollen.

... viel mehr jedenfalls, als irgend so ein Schönchen, das vom Nagelstudio zum Fitness-Studio unterwegs ist und in dem festen Glauben lebt, sich für "Germany's next Topmodel" bewerben zu müssen.

die Klette

Bevor ich es vergesse, zwei nicht ganz so wichtige Meldungen. Für unseren Weg nach Herne wählten wir eine Strecke, die wir seit der Seite "Traumgarten" besonders mögen - über die Lange Straße. Auch in diesem Garten blühen derzeit wunderschöne Lilien.

Im weiteren Streckenverlauf fotografierte ich endlich eine der bemerkenswerteren "Reliquien" aus der schwerindustriellen Epoche - und auch mein Fahrrad zeigte sich hier, im Stillstand, von seiner besseren Seite, weil es nicht schalten musste.

In unmittelbarer Nähe eines Eisenbahngeländes sahen Vorbeireisende diese beiden Blumen wachsen. auf Befragen antworteten die beiden Damen, sie seien, obwohl niemand von ihnen Notiz nähme, nicht völlig bedeutungslos.

Auf der Gleisanlage eroberte sich die Natur ihren Platz zurück. Niemand mag zwar glauben, dass die Autos eine vorübergehende Erscheinung sind, aber ich persönlich gölaube, dass Darwin in diesem Punkt recht hatte: das Stärkere setzt sich durch, hier das, was sich nicht selbst überschätzt

Es gibt vielerlei Indizien für meine Annahme, dass die Natur Abbild einer Macht ist, die unbesiegbar ist.

In diesem verkommenen Häuschen halten sich, wenn auch nur vorüber gehend, Menschen auf. Wie ist man drauf, um in dieser Umgebung Zuflucht suchen zu müssen?

Diese beiden Bilder zeigen eine "verkehrte" Welt. Susanne fotografierte mal Landschaft und ich das Filigrane. Sehr beruhigend für mich zu fühlen, dass wir gemeinsam vielseitig sind.

Hunger ist ein unangenehmer Wegbegleiter. Als ich Susanne ein paar Früchte vom Rande des Weges gefpflückt hatte, dachte ich an den Spruch: Ein Vogel sorgt sich nicht um das Morgen. Und auch Menschen brauchen sich nicht wirklich um das Wesentliche sorgen - vieles Wichtige geschieht ohne ihr Dazutun, und meist auch, ohne das sie es bemerken.


Auf dem Heimweg erlebten wir beide eine ganz wunderbare Stimmung, sicher mitverursacht durch einen außergewöhnlichen Sonnenuntergang. Der wurde erstmals deutlich bei diesem kleinen Teich. Susannes Bild mag davon einen kleinen Eindruck vermitteln, und mir gelangen auch noch einige interessante Bilder aus einer Welt, in die alle Menschen Eingang finden können.

Von diesem Bild waren wir gleichermaßen begeistert, einer Sonne, die mit den Elementen ihre Spielchen treibt. Weil es so schön ist, gibt's das durch ein Klick" in galerie-groß anzuschauen, ein besonderer Service der Redaktion. Das war eben ein Ereignis, das man im Fernsehen NIEMALS zu sehen bekommt, oder nur als kümmerliches Fragment.

Das fast letzte Wort des Tages widmen wir einem Phänomen. Sind Außerirdische in diesem Kornfeld gelandet? Oder ging eine Genmanipulation völlig daneben?

Wie engagiert unsere Reporterin Susanne wirklich ist, bewies sie auf dem steilen Berg in der Lange Straße. "Halt mal an", rief sie mittendrin, und ich konnte ein Foto machen von einem Edelsteingarten - wahrscheinlich blau gefärbter Bergkristall, umrandet von Fuchsit.

Das Fragezeichen des Tages löste sich übrigens, der "Herr" habe Dank, recht bald auf. Dieser prächtige Hund kam zum Vorschein, eine, wie wie wir erfuhren, werdende Mama.

Als letzte Nachricht können wir hier bekannt geben, dass auch der Sommerflieder wieder extrem prächtige Blüten treibt. Allerdings können wir das Gerücht, dass er sich nur schwer fotografieren läßt, nicht bestätigen, und selbst die letzten politischen Nachrichten scheinen ihn unbeeindruckt gelassen zu haben, jedenfalls diese Blütendolde.

Mit einem kleinen Blick in eine "Ander Welt" beenden wir unser kleine Tagesschau - aus unserer Welt.

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