Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

Menüknopf


du bist es
der den stein aufgelesen hat
der fasziniert beobachtet
wie er die farben wechselt
mal dunkel und matt
mal golden in der sonne glitzernd
mal schillernd und glänzend
mal blass und zart wie perlmutt
wie er oberfläche und kontur verändert
mal schroff ist und rauh
mal schmeichelnd und glatt
wie er eiskalt sein kann und angenehm kühl
dann warm wird in deiner hand
könntest ihn zum glühen bringen
dass du dich fast verbrennst
vielleicht würde er sogar schmelzen
verschmelzen mit dir
tiefschöner schmerz
ja, gott schläft im stein
alles schläft darin
ist und bleibt aber ein stein
aufgefangen aus der unendlichkeit
hübsch anzuschaun
ein feines spielzeug
wie lange wird es dich fesseln, das spiel?
findest eine weiße feder
eine bunte glasscherbe
ein knöchlein von einem rattenskelett
blicke und sinne werden von so vielem abgelenkt
aufmerksamkeit von so vielem gefordert
feder, glasscherbe und knöchlein
haben ja auch ihr recht
ach ja, der stein
sie liegt so schwer auf dem herzen
rumpelt im magen herum
schlägt vor den kopf
hat das herz nicht ruhe verdient?
endlich ruhe?


wirf ihn vom steg in den see
an der tiefsten stelle
beobachte die kreise
bis er ganz verschwunden ist
untergegangen, versunken im nichts
kannst ihn wohl im herzen behalten,
das wohl
aber er wird es nicht mehr bedrücken
da liegt er im schlick
keine sonne, kein glitzern, keine wärme
bleibt ein gedanke im deinem herzen
bis, vielleicht, irgendwann
ein anderer eintaucht, untertaucht
mit ganz viel glück ihn findet
vielleicht erst in hundert
vielleicht in tausend jahren
ihn für wert hält
ihn aufhebt
von schlamm befreit
so wie du
vielleicht wirst es sogar
einmal mehr du sein
der ihn wiederfindet
man weiß
es ist schon einmal geschehn
wär ich doch als feder gekommen
ich flöge einfach davon
ST
susannEIN


steine sammler

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