Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn





















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29. August 2008 Belanglos


Die Tage fliegen dahin. Was ist eine Woche? Sie vergeht wie ein

Tag, und bald könnte sich das Gefühl einstellen, wenn ein Monat

vorbei ist. Was geschieht bei uns? Nichts Bemerkenswertes,

denke ich an fast jedem Abend, aber stimmt das? Heute

schreibe ich das balanglos Scheinende mal auf.

Mein Tag begann um 0.00 Uhr. Ich lag auf dem Sofa und las in dem Buch "Aussöhnung mit dem inneren Kind", von Erika J. Chopich und Margaret Paul. So wie es meine Zeit erlaubt, werde ich hier Texte daraus besprechen; es ist ein tolles Buch. Verstehen kann ich den Ansatz der beiden Autorinnen deswegen besonders gut, weil er sich genau auf der Ebene des "Toltekischen Wissens" bewegt. Entsprechend begeistert lese ich natürlich, bis die Augen zufallen und schlafe dann an Ort und Stelle, in den letzten Tagen überraschend schnell, ein. Bemerkenswert eine kleine Geschichte, die ich hier einfach mal reinstelle.

Der echte Tag beginnt um sieben Uhr, wenn das Prozedere "Moritz muss zur Schule" anfängt. Ich gehe dann an den Rechner oder schlafe im Schlafzimmer noch eine Weile. So wie heute, als wir gegen 11 Uhr frühstückten und dann den "Arbeitstag" begannen. Ein paar Briefe schreiben, ein paar Dinge besprechen, mit dem Fahrstuhl auf den Dachboden und Wäsche aufhängen, gucken, was bei den vorgemerkten Angeboten bei ebay passierte, für die Homepage die Seiten vorbereiten über "Die vier Weisheiten" des Buddha. Dann freie Planung.

Susanne wollte einen Brombeerkuchen backen und brauchte, kaum glaublich, 1 Kilogramm Brombeeren. Wollen wir fahren? Ja, und wir radelten mal eben um die Ecke auf eine alte Halde, auf der ich schon vor Tagen reiche Beute machen konnte. Heute standen wir vor leeren Hecken, fast leer, und wir hatten einige Mühe, ein paar
Hände voll zu finden; machte trotzdem Spaß, zumal es
nach der Kälteperiode relativ warm war. Zwischen Tür
und Angel, Susanne auf dem Weg in den Kindergarten und
ich auf dem Weg nach Castrop, gab es ein sehr konstruk-
tives, unemotionales Gespräch über Kindererziehung. Ich
war der Meinung, Moritz müsse das Wesen von Selbstver- ständlichkeiten kennenlernen, und Susanne meinte, es
müsse auch ohne die normalen Domestizierungstechniken
(Belohnen oder Bestrafen) gehen. Finde ich auch, aber
möchte Moritz gerne Grundsätzliches zum Wesen einer funktionieren- den Gemeinschaft "demonstrieren". Schauen wir mal.

Bevor ich die Kurve Richtung Castrop kriegte, fuhr ich erst mal ins "Dorf", Trödel-Martin besuchen, Computer-Oli besuchen, Buch- Martin besuchen. Fand ein Buch von Castaneda, "Ein Yaqui-Weg des Wissens", und ein Buch von Alan Watts, "Psychotherapie und östliche Befreiungswege". Ja, bei Martin braucht man nicht lange suchen, um sich mit Lesestoff bereichern zu können. Viel wichtiger war unser Gespräch über das gesellschaftliche System. Es ist für mich beinahe unmöglich, einen kompetenten Gesprächspartner zu finden, sprich: ein solcher Martin läuft mir nur alle paar Jahre über den Lebensweg. Entsprechend berührt, bewegt, ja aufgekratzt war ich, als Susanne in den Laden kam und sich auch in dem großen Fundus bediente.

Castrop, ein für mich mittlerweile mehr als nur ungeliebtes Zuhause. Klar versorgte ich die Blumen, heute sogar sehr gründlich, klar freute ich mich über das kleine grüne Paradies, besonders über die kleinen Kümmerchen, die sich mit aller Kraft gegen ihren Untergang wehren. Nur die blühende Vanda wird es wohl nicht schaffen, noch mal geblüht und Abschied nehmen, so sieht es aus. Ein paar Sachen greifen und los, vorbei am türkischen Laden - halt stopp, da liegen viele Gurken in der Umsonstkiste, kurz fragen, ja ich darf mich bedienen, Moritz' beiden Meerschweine fragen ja nicht, woher ihre Genussmittel kommen. Dann aber den Berg hoch, links ab am Reiterhof vorbei und versuchen, noch ein paar Brombeeren zu sammeln; man weiß ja, wo das "schwarze Gold" hängt. Ein Schrecken, als "Etwas" den Berg runter donnert, an dessen Ende mein Fahrrad steht. Denke, der Bauer hat da etwas nicht unter Kontrolle und renne runter zu meinem Weggefährten, wie ich's schon lange nicht mehr tat. Entwarnung, vor der großen Walze fährt ein Trecker, Entwarnung.

Ein städtischer Jäger bereichert mein soziales Erleben, hält neben mir an und fragt, ob ich Stellen wüsste, wo Schlehen wachsen, er wolle mit Rotwein Likör daraus machen. Ne, da konnte ich ihm nicht helfen, aber ein bisschen erzählen von meinen Erlebnissen, an denen Schlehen maßgeblich beteiligt waren. Ob ich die Geschichten hier erzähle?, ne jetzt im Moment lieber nicht, wir ist nicht nach lachen. Frohgemut fahre ich nach Susanne, entdecke gleich den superspitze aussehenden Brombeerkuchen, der leider erst mal abkühlen muss, darf mich dafür an einem leckeren Broccoliauflauf vergreifen.

Das Kind schläft, Susanne schläft, die verrückte Welt schaltete ein paar Gänge runter, und ich sitze hier putzmunter, ungeachtet der vor mir im Regal liegenden Zähne, die mir vorgestern in Form einer Brücke aus dem Mund fielen. Bräuchte ich sie derzeit, hätte ich sie derzeit. Was hilft es schließlich, wenn man beißen kann und nichts zu beißen hat. Vielleicht schreibe ich demnächst mal über Zähne, weil, das ist ein echt heißes Thema, wenn man will.

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Unser Tagebuch

- 06 -

Wie an fast jedem Tag, entstanden auch heute wieder ein paar Bilder

Susannes Koch- und Backkün- ste, nichts für Kostverächter

Unterwegs entdeckt, diese wilde Wicke - eine meiner Lieblingsblumen.

Was das ist? Könnt ihr mal raten. Sternenhimmel über Gerthe?

Und unsere Hängefuchsie musste auch dran glauben. Sie steht bereits zum dritten Mal in voller Blütenpracht und soll hier noch mal gewürdigt werden.

Ich finde die ollen Sachen ja toll, im Moment besonders die ohne Strombetrieb. Hat echt Vorteile, wenn man nicht auf einen Stromversorger, z.B. die RWE, angewiesen ist.

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