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"Trauma-Ambulanzen ..."

 Landschaftsverband Westfalen-Lippe

... helfen Opfern von Gewalttaten schnell.

200 Teilnehmer diskutieren auf LWL-Tagung das zehn Jahre alte Angebot.

Opfer von Gewalttaten erleiden nicht nur körperliche Schäden. Oft sind die psychischen Folgen sogar noch gravierender. Deshalb konzentriert sich die Opferhilfe nicht nur auf die Behandlung von Körperschäden, sie ist auch auf die Psyche der Opfer ausgerichtet. Nordrhein-Westfalen hat als erstes Bundesland ein Netz von Trauma-Ambulanzen eingerichtet, die Opfern von Gewalttaten schnell helfen. Allein in Westfalen-Lippe gibt es 13 Trauma- Ambulanzen. Rund zehn Jahre nach Einführung dieses Netzes zieht der Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL), der acht Trauma-Ambulanzen in seinen Kliniken eingerichtet hat und dessen Versorgungsamt Opfern von Gewalttaten nach dem Opferentschädigungsgesetz hilft, Bilanz. Knapp 200 Mitarbeiter aus Trauma-Ambulanzen, Vertreter von Netzen für Opfer von Gewalt, Mitarbeiterinnen von Frauenhäusern und Ärzte aus fast allen Bundesländern diskutierten am Dienstag (20.04.) bei der LWL-Tagung "Schnelle Hilfe für Opfer von Gewalttaten" in Münster, ob sich die Situation der Opfer verbessert hat.

"Unser Ziel ist es, Opfer von Gewalttaten möglichst schnell wieder fit für den Alltag zu machen. Dazu ist es nötig, den Opfern möglichst schnell psychologisch zu helfen, damit eventuelle psychische Schäden nicht chronisch werden", erklärt Paul Griestop, Leiter des LWL-Versorgungsamtes.

Das ist die Aufgabe der Trauma-Ambulanzen. Den Kontakt dazu stellen die Opferbeauftragten der Polizei möglichst schnell nach der Gewalttat her. Die Experten der Polizei wissen, welche der 13 westfälischen Trauma-Ambulanzen die passende ist, weil sie sich zum Beispiel auf die Behandlung von Kindern spezialisiert hat. "Die Trauma-Ambulanzen machen einen guten Job. Die meisten Gewalt- Opfer, die eine Ambulanz im Anspruch genommen haben, profitierten nicht nur davon, sondern waren nach der Behandlung wieder ganz gesund", erklärt Ivonne Schürmann vom ärztlichen Dienst des LWL-Versorgungsamtes. Sie hat in einer Evaluation die Wirksamkeit der Trauma-Ambulanzen untersucht.

Insgesamt kamen im vergangenen Jahr 215 Opfer von Gewalttaten in die westfälischen Trauma-Ambulanzen. Damit ihnen schnell geholfen werden konnte, ist das Prozedere unkompliziert: "Am Notfall-Telefon der Ambulanzen erhalten die Opfer je nach Dringlichkeit zeitnah oder sofort einen Termin für fünf probatorische Sitzungen - bevor sie überhaupt einen Antrag auf Opferentschädigung gestellt haben", erklärt Griestop. Rund ein Drittel der Opfer braucht keine Behandlung, bei einem weiteren Drittel ist es noch nicht abzusehen, das letzte Drittel braucht sofort eine psychologische Behandlung. "Ziel der probatorischen Sitzungen ist es, die behandlungsbedürftigen Opfer zu finden und ihnen gleich zu helfen sowie diejenigen im Auge zu haben, bei denen noch unklar ist, ob sie psychologische Hilfe brauchen", so Axel Ilmer, der für die Opferentschädigung zuständige Referatsleiter beim LWL-Versorgungsamt.

Stellen die Trauma-Experten bei den ersten fünf Sitzungen Symptome fest, schließt sich direkt eine Akutbehandlung mit bis zu zehn Sitzungen an. Die probatorischen Sitzungen sind unabhängig vom Entschädigungsantrag. "Selbst wenn es sich beim späteren Entschädigungsantrag herausstellen sollte, dass wir gar nicht zuständig sind, weil es sich zum Beispiel gar nicht um eine Gewalttat gehandelt hat, übernehmen wir die Kosten für diese ersten Sitzungen. Wir zahlen lieber zu viel, als dass einem Opfer von Gewalt nicht rechtzeitig geholfen wird und dessen Probleme sich so vielleicht nicht mehr beheben lassen", sagt Griestop.

Der Leiter des LWL-Versorgungsamtes rät allen Opfern, dieses Angebot anzunehmen: "Dazu zählt auch die ältere Frau, deren Handtasche geraubt wurde, wobei sie körperlich nicht verletzt wurde. Wird sie nicht behandelt, traut sie sich eventuell später nicht mehr aus dem Haus und verliert dadurch deutlich an Lebensqualität."

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Bei den in den Verträgen zwischen Versorgungsverwaltung und Traumaambulanzen geregelten 5 + 10 „schnellen“ Sitzungen handelt es sich genau genommen um eine völlig neue Form der Frühintervention:
• Die Unterschiedlichkeit der Personen, denen dieses Angebot dienen soll, erfordert eine maximale Flexibilität in der Ausgestaltung dieser Sitzungen.
• Die eingesetzten Behandlungselemente stammen aus nachgewiesener maßen wirksamen Traumatherapieverfahren.

Trotzdem: Über die Wirkung (und evtl. Nebenwirkungen?) dieser ‚maßgeschneiderten‘ Intervention lagen bislang keine gesicherten Erkenntnisse vor.

Aus meiner Sicht ist die klinisch-therapeutische Behandlung von Traumata schwierig, weil es verschiedene Traumaebenen gibt und jeder Mensch verschiedenen in der Lage ist, mit den verdrängten Informationen umzugehen. Eine Behandlung halte ich in jedem Fall für empfehlenswert. Leben bietet eine sehr stabile Form der Existenz, und auf dieser Ebene kann ein Opfer viel Sicherheit zurück gewinnen.