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"Schützenwesen"

   Landschaftsverband Westfalen-Lippe

Hintergrund

Viele Nicht-Schützen vertreten die Ansicht, dass alle Schützenvereine und alle Schützenfeste irgendwie gleich sind. "Das stimmt nicht", betont Cantauw. "Da gibt es teilweise immense Unterschiede. Allein schon wenn man die sauerländischen Schützenvereine mit den münsterländischen vergleicht. Oder wenn man sich die Strukturen in den älteren und jüngeren, den städtischen und ländlichen Vereinen einmal genauer ansieht, wird man feststellen, dass mancher Brauch, den man für längst vergessen hielt, noch geübt wird und dass vieles, was man für selbstverständlich hielt, seine prägende Kraft längst verloren hat".

Nach wie vor gehört das Schützenfest für viele Menschen zu den wichtigsten Festen im Jahr. Und auch wenn es im Dorf nicht mehr selbstverständlich ist, Mitglied eines Schützenvereins zu sein, so wollen doch viele ehemalige Dorfbewohner noch Jahre nach ihren Wegzug das Fest um keinen Preis verpassen und planen am Schützenfestwochenende einen Besuch in ihrem Heimatort ein. In vielen Orten hatten die Schützenvereine eine integrative Wirkung: "Manchen Vereinen gelang es tatsächlich über konfessionelle und soziale Grenzen hinweg Einigkeit zu schaffen. Auch Zugezogene und Vertriebene fanden teilweise über die Schützenvereine einen ersten Zugang zur einheimischen Bevölkerung", weiß Cantauw, die über die vielen Facetten staunt, die eine eingehendere Beschäftigung mit dem Schützenwesen zu Tage fördert. "Da gibt es Gecken und Schützen¬königinnen, Kinderschützenfeste und Papageien, mannigfaltige Uniformen und verschiedenartigste Waffen, Fahnenschlag und Blasmusik und vor allem ist nicht alles so bierernst, wie ich zunächst gedacht habe".

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Von Blasmusik, Fahnenschlag, Bier und Königen
LWL-Volkskundler geben Einblicke ins Schützenwesen

Seit Anfang Mai ist es wieder soweit: die Schützenfestsaison beginnt. Eines der ersten Schützenfeste in Westfalen wird wahrscheinlich dasjenige der Wehringhauser Schützengesellschaft aus Hagen sein, das bereits am 4. und 5. Mai stattfand. In diesem Jahr steht für die westfälischen Schützenvereine eine besondere Veranstaltung an: Der Bund Historischer Deutscher Schützenbruderschaften veranstaltet in der Zeit vom 14. bis 16. Mai in Rietberg (Kreis Gütersloh) den 55. Bundesköniginnentag, um die Arbeit von Frauen in den Bruderschaften und in der Gesellschaft zu würdigen.

"Jetzt geht es Schlag auf Schlag. Es gibt bis zum September fast keine Woche, in der nicht irgendwo in Westfalen Schützenfest gefeiert wird", weiß Christiane Cantauw, Geschäftsführerin der Volkskundlichen Kommission für Westfalen beim Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL). "Besonders beliebt sind die Schützenfesttermine im Juni und Juli, weil man in diesem Monaten eher auf gutes Wetter für die Feier unter freiem Himmel hoffen kann. Auf der anderen Seite bevorzugten die Bauern traditionell eher einen Termin vor Pfingsten, weil in der Zeit zwischen Säen und Mähen weniger Arbeit anfiel", so die LWL-Volkskundlerin weiter.

Wann und wie lange Schützenfest gefeiert wird, ist von Verein zu Verein unterschiedlich. Manche Vereine haben einen seit Jahrzehnten oder gar Jahrhunderten feststehenden Termin, andere legen den Schützenfesttermin jedes Jahr neu fest. Während einige Vereine von Samstag bis Montag feiern, gibt es in anderen Vereinen lediglich ein eintägiges oder sogar ein fünftägiges Schützenfest.

"Viele der westfälischen Schützenvereine blicken auf eine erstaunlich lange Tradition zurück. Teilweise führen sie ihre Existenz auf spätmittelalterliche Bürgerwehren zurück", erklärt Cantauw. Die wohl ältesten Vereine gibt es in Dortmund (1378), Nottuln im Kreis Coesfeld (1383), Breckerfeld im Ennepe-Ruhr-Kreis (1396), Datteln im Kreis Recklinghausen (1397), Hattingen im Ennepe-Ruhr-Kreis (1403), Attendorn im Kreis Olpe (1410), Geseke im Kreis Soest (1412) und Brilon im Hochsauerlandkreis (1417). "Auf der anderen Seite gibt es aber auch nicht wenige Vereine, die im 19. Jahrhundert von stolzen Bürgern als 'Bürgerschützenverein' zum Zweck der Geselligkeit gegründet wurden".

Buch "Schützenfeste in Westfalen"
Einen Zugang zum Thema gewährt das Buch "Schützenfeste in Westfalen. Bekannte Ansichten - ungewohnte Einblicke" von Britta Spies und Barbara Stambolis. Auf 144 Seiten und 212 Fotos bleibt kaum ein Aspekt des Schützenfestes unberücksichtigt. "Mich hat bei diesem Buch besonders die gelungene Zusammenstellung der Fotos begeistert, die durch die Gegenüberstellung von Erwachsenen und Kindern, Männern und Frauen, Tradition und Moderne wirklich "ungewohnte Einblicke" schafft", betont Cantauw.

Das Buch ist im Ardey-Verlag erschienen und zum Preis von 19,90 Euro im Buchhandel erhältlich (ISBN 9783870232665).