Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

Grof und die Geburt

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Stanislav Grof (* 1931 in Prag) ist ein Medizinphilosoph, Psychotherapeut und Psychiater. Er rief 1978 zusammen mit den Gründern des Esalen-Instituts, Michael Murphy und Richard Price die ITA (International Transpersonal Association) ins Leben und gilt als einer der Begründer der transpersonalen Psychologie. In ihr werden neben humanistischen Aspekten auch religiöse und spirituelle Erfahrungen der Psyche berücksichtigt.
(Wikipedia)

Sehr aufschlussreich ein Interview mit ihm, das ihr hier findet.
Direkt bei uns nur dieser kleine Ausschnitt zu der Frage:

Wie beurteilen Sie die gegenwärtige Situation in der Welt?

Stanislav Grof: Wir alle sehen, daß die Welt sich ziemlich schnell auf ein katastrophales Ende hin entwickelt. Alle Probleme sind im Grunde genommen Symptome einer grundlegenden Bewußtseins- und Wahrnehmungskrise. Die gegenwärtige Situation reflektiert das Bewußtsein der Menschheit. Ohne eine tiefgreifende innere Transformation ist eine radikale Lösung nicht möglich.

Menschen in außergewöhnlichen Bewußtseinszuständen haben die Einsicht, daß wir in eine Art Wettrennen verwickelt sind. Wir können uns entweder selbst zerstören, oder zu einem ganz neuen Bewußtseinsniveau aufsteigen. Terence McKenna schrieb, daß die Geschichte des albernen Affen bald vorbei sein wird. Entweder sterben wir aus, oder es gelingt uns ein evolutionärer Sprung zu einem neuen Bewußtseinsniveau, das total anders sein wird, als das, was wir jetzt kennen.

Die Evolution der Menschheit wird durch Gewalt charakterisiert, etwas das Erich Fromm "bösartige Aggression" nannte. Es ist grundsätzlich anders als die Art von Aggression, die man in der Natur sieht: Überleben, Beschaffung von Nahrung oder sexueller Wettbewerb. Nur die Menschheit hat Dinge geschaffen, wie Stalins Archipel Gulag (Gulach Archipel), den Nationalsozialismus, den Krieg in Ruanda oder Jugoslawien und alles, was China in Tibet getan hat. Diese Beispiele haben keine Parallele in der Natur. Diese bösartige Aggression bedeutet nach Fromms Verständnis auch eine Art unstillbare Gier, die Tendenz, immer mehr haben zu wollen, mehr Macht, mehr Geld, mehr Besitz, mehr Territorium. Das ist charakteristisch für die menschliche Geschichte. Wir haben eine Situation erreicht, in der keine dieser Eigenschaften ohne ernste Überlebensgefahr noch länger fortgesetzt werden kann. Der ständige Versuch, das nationale Bruttosozialprodukt zu verdoppeln oder zu verdreifachen, führt zu einem Plündern unserer Quellen und Rohstoffe. Das ist eine gewaltlose Drohung, die sich langsam entwickelt. Wir haben Massenvernichtungswaffen, also ist ein Krieg ohne grundlegende Überlebensgefahr undenkbar. Nicht nur für die Menschheit, sondern für das gesamte Leben auf der Erde.

Deshalb sind Menschen im transpersonalen Bereich der Meinung, daß eine radikale Umwandlung notwendig ist. Wir haben jedoch das Gefühl, daß der wichtigste Aspekt der Krise noch nicht angegriffen worden ist. Die Menschheit hat sämtliche politische, diplomatische, militärische, ökonomische und soziale Strategien ausprobiert. Grundsätzlich sind alle diese Strategien jedoch Fortsetzungen der alten Strategien, die uns von vornherein in diese Situation gebracht haben.


Da wir auch angefangen haben über das Wesen des Traumas zu sprechen, zitiere ich hie rmal einen Abschnitt aus seinem Buch
"Kosmos und Psyche".

Aus der Praxis der Erfahrungstherapie wissen wir, daß wir unser Unbewußtes von den unverarbeiteten Erinnerungen an seelische und körperliche Schmerzen aus der Kindheit und dem späteren Leben reinigen können, indem wir sie voll erleben. Zusammen mit positiven Erfahrungen, die wir dabei machen, befreit uns das von dem verkrüppelnden* Einfluß von Traumata aus der Vergangenheit, die unser tägliches Leben inauthentisch und unbefriedigend machen.


Grofs Arbeit zum "Wesen der Geburt" halte ich für sehr wichtig, und ich werde demnächst auf der nächsten Seite einige Texte dazu veröffentlichen.

Ich las von ihm das Buch "Kosmos und Psyche", schrieb zu vielen seiner Ansätze meine eigenen Kommentare. Einen davon stelle ich hier mal zum Lesen rein. Da ich gerade an anderer Stelle über das "Böse" schrieb, wählte ich etwas dazu Passendes aus:

... daß das Böse ein nicht wegzudenkender Teil der Schöpfung ist und daß alle Bereiche, in denen eigenständige Individuen vorkommen, stets die Licht- ebenso wie die Schattenseite haben werden.

Da das Böse untrennbar in das kosmische Gefüge eingearbeitet
und für die Existenz von Erfahrungswelten unerläßlich ist, kann es nicht überwunden und ausgemerzt werden*.


* Das kosmische Gefüge existiert durch zwei Gegensätze, die im Miteinander durch gemeinsame Erfahrungswelten ihre Gegensätze überwinden

Doch auch wenn wir das Böse nicht aus der universalen Ordnung der Dinge tilgen können, so können wir immerhin uns selbst verändern und grundsätzlich andere Möglichkeiten entwickeln*, mit der dunklen Seite des Seins umzugehen.

* Sobald ein Pol, durch den die Schöpfung überhaupt existent wurde (und werden mußte), als hell und dunkel klassifiziert wird, schnappte die Falle zu. Transzendieren bedeutet ja, von außerhalb einen Prozeß “begutachten” und ihn grundsätzlich – mit allen beteiligten Komponenten – als wertvoll zu fühlen. Nur dann kann man sich als neutral bezeichnen, das Geschehen bzw. die Entwicklung weder als Gut noch als Böse bewerten – über den subjektiven Bewertungen von Beobachtungen stehen.

Das schrieb ich 2002.

Nur so locker nachgeschoben. Wiki schreibt zu "Kritik über Grof":

Das von ihm entwickelte Modell der perinatalen Matrizen wird von den Fachwissenschaften Psychologie und Medizin nicht anerkannt.


Nach meiner Einschätzung fand Stan Grof ein sehr gutes Therapiekonzept zur Lösung schwerer und schwerster psychischer Probleme. Damit wurde er zwangsläufig zum Feind des Systems.

Ich wusste, uns beide verbindet etwas, aber was es war, wurde mir erst jetzt klar.

Kleiner Tipp für die Helfer der Menschheit, die als Feinde des Systems behandelt werden:
Es gibt noch ein anderes System, und zwar eins, dass das weltliche System beherrschen kann.

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