Erich Fromm

Einführung



Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

Seit vielen Jahren gehört Erich Fromm zu meinen geistigen

Freunden; ja, ich fühle mich sogar "verwandt" mit ihm. Sein klares Denken, seine realistischen, sehr objektiven analytischen Einschätzungen von menschlichen und systemischen Eigenschaften kommen mir sehr entgegen. Entsprechend hilfreich waren und sind seine Schriften für mich. Nachdem er mich bereits vor vielen Jahren mit seinen relativ bekannten Werken (Die Kunst des Liebens, Haben oder Sein, Die Seele des Menschen, Über den Ungehorsam, Über die Liebe zum Leben und Es geht um den Menschen) zu begeistern vermochte - ich schleppe die Bücher seit vielen Jahren mit mir rum -, trat er vor einiger Zeit mit seinem Buch "Die Anatomie der menschlichen Destruktivität" wieder aktiv in mein Leben. Und vor ein paar Wochen kaufte ich das Buch "Psychoanalyse und Religion". Darin lese ich jede Nacht vor dem Einschlafen ein paar Seiten (bis es vor Müdigkeit nicht mehr geht) - und bin begeistert, wie klar Erich im geistigen Bereich Unterschiede heraus arbeitet und eine differenzierte Realität darzustellen vermag. Das nächste Buch wartet schon, da schreibt er über Sigmund Freud.

Wer ist Erich Fromm? Ich zitiere mal aus "Über die Liebe zum Leben - über den Autoren":
Erich Fromm, Psychoanalytiker und Sozialphilosoph, wurde 1900 in Franktfurt am Main geboren. Nach seiner Promotion 1922 in Heidelberg kam er mit der Psychoanalyse Freuds in Berührung und wurde Psychoanalytiker. Von 1930 bis 1939 gehörte er der Frankfurter Schule um Max Horkheimer an. 1933 emigrierte er in die USA, wo eer an verschiedenen Instituten lehrte. Von 1950 bis 1974 lebte und lehrte er in Mexiko. Er starb 1980 in Locarno in der Schweiz.
Zitat aus dem Buch "Erich Fromm, Leben und Werk", von Helmut Wehr; es geht um die letzten Jahres seines Lebens in der Schweiz/Locarno:

Ab 1974 lebte Fromm ständig in Locarno-Muralto. Hier arbeitete er an seiner Untersuchung Haben und Sein (1976a, GA II, S. 269-494), die zwei widerstre- bende Existenzweisen exemplarisch gegeneinanderstellt. Sein radikaler Huma- nismus verband ihn hier mit Albert Schweitzer, Bertrand Russell, Ernst Bloch und anderen. Fromm forderte auf zur inneren Revolution im Zusammenhang mit einer sozioökonomischen Demokratisierung. Seine Revolution der Hoffnung bleibt nicht bei zivilisationspessimistischen Glasperlenspielen stehen, sondern versucht vor dem Hintergrund eines grundsätzlichen Optimismus die Konsequenzen von zwei Grundprinzipien der menschlichen Existenz zu zeigen: Es gibt reale Hoff-nungen, sie können aber auch durch Barbarei zunichte gemacht werden. Aus diesem Grund sind nur die Umrisse seines Weges zu einer humanitären Utopie sichtbar.
1977 traf ihn der zweite Herzinfarkt, der ihn zu Kuraufenthalten in den Schwarzwald, nach Hinterzarten und Baden-Baden zwang. Seine Gedanken konnte Fromm aufgrund seiner angegriffenen Gesundheit fast nur noch in Inter- views in seiner alten Heimat Deutschland verbreiten (vgl. A. Reif, 1978; H. J. Schultz, 1983). Er wird mit Ehrungen überhäuft, wird Ehrenbürger der Gemeinde Muralto (1979). Den Nelly-Sachs-Preis der Stadt Dortmund musste im gleichen Jahr freilich schon Fromms ehemaliger Assistent, Rainer Funk, für ihn entgegen- nehmen. Die posthum verliehene Goethe-Plakette seiner Geburtsstadt Frankfurt nahm Annis Fromm 1981 für ihren verstorbenen Mann entgegen.

Seine letzte theoretisch-bilanzierende Auseinandersetzung mit der Psycho-analyse Sigmund Freuds Psychoanalyse - Größe und Grenzen (1979a, GA VIII, S. 259- 362) hatte seine letzten Kräfte aufgebraucht. Der Tod trat in der Nacht zum 18. März 1980 durch einen weiteren Herzinfarkt ein. Im letzten Interview vor seinem Tod 1980 hatte Fromm gegenüber der Illustrierten Stern die Hoffnung geäußert, „dass die Menschen ihre Leiden erkennen mögen: den Mangel an Liebe.”

Erich Fromm bedeutet mir zwar sehr viel, andererseits verliere ich mich nicht in blinder Verehrung für ihn. Er war brilliant, aber ich bin mir sicher, mein kritischer Blick hätte ihm gefallen. Dazu kommt, dass er zu seiner Zeit lebte, in diesem Geist, mit diesen Informationen - und: er hatte keinen Erich Fromm, der ihm den Weg zu besonderen Erkenntnissen weisen konnte.
Seine im letzten Interview getätigte Aussage möchte ich aus meiner Sicht ergänzen. Menschen leiden nicht an Liebesmangel, sondern an den Ursachen, die zum Mangel führen: der Angst. Und es ist nicht die Liebe allein, die ein Leben glücklich, stabil und erfüllt macht, sondern auch Geist. Damit wären wir beim zweiten großen Leidensbereich, der Verwirrung.
Aber, ich betone, dass ich zu meinen persönlichen (nicht allgemein gültigen) Erkenntnissen auch nicht ohne einen Erich Fromm kommen konnte.

(1900-1980) ist als Psychoanalytiker und Sozialpsychologe ebenso bekannt wie als Autor und bedeutender Humanist des 20. Jahrhunderts. Wie kaum ein anderer in Deutschland geborener Humanwissenschaftler hat Erich Fromm weltweit gewirkt. Seine Schriften und Erkenntnisse werden weltweit gelesen und rezipiert.

(aus: Internationale Erich- Fromm-Gesellschaft)


Zitate:

"Nichts fördert das Kreative mehr als die Liebe, vorausgesetzt, sie ist echt." - Pathologie der Normalität -


"In der Existenzweise des Habens ist der Glaube eine Krücke für all jene, die Gewissheit wünschen, die einen Sinn im Leben finden wollen, ohne den Mut zu haben, diesen eigenständig zu suchen."

- Haben oder Sein -


Die meisten Menschen wollen* gar nicht wachsen und wechseln, wollen sich nicht entfalten, sie wollen die erworbenen Möglichkeiten erhalten, auskosten und "kapitalisieren".

Und: Wie man noch weniger Gewissen haben kann, als die Männer, das ist schwer vorstellbar.

- Über die Liebe zum Leben -


* Wollen schließt Verantwortung ein - insofern teile ich diese Aussage nicht.
Wolfgang Jensen

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