Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn





















Glaube, Kirche und Religion

Mach dir deine eigenen Götter, und unterlasse es, dich mit einer schnöden Religion zu beflecken.
Epikur, grich. Phil., 341-270 v.Chr.

Welcher Religion ich bekenne? - Keine von allen, die du mir nennst. - Und warum keine? Aus Religion.
Schiller, Mein Glaube)

Eine Religion nach der anderen löscht aus, aber der religiöse Sinn, der sie alle schuf, kann der Menschheit nicht getötet werden.
Jean Paul, dt. Dichter, 1763-1825

Es ist am Ende der Religion das beste, daß sie Ketzer hervorruft.
Friedrich Hebbel, dt. Dichter 1813- 63

Religion ist ein Prisma, von dessen sieben Farben jeder seine Lieblingsfarbe wählen mag; alle aber rühren nur von einem Sonnenstrahl.
K.J. Weber, Demokritos

Die besten Reformer, die die Welt je gesehen hat, sind jene, welche bei sich selbst anfangen.
George Bernhard Shaw, irischer Dramatiker, 1856-1950



Gott - ein Einstieg


Oh je, der gute Epikur. Ich mag ihm da zur Seite treten mit einer

Lebensweisheit, die ich vor vielen Jahren lernte und seitdem befolge: "Hüte dich vor Menschen, die ihren Gott im Außen suchen."
Allerdings pflichte ich ihm bei der Verwendung des Begriffs "Religion" nicht bei. Religion ist für mich DIE Lehre von der Vergangenheit als einem schöpferischen Prozeß, während Glauben für mich eine reine Interpretation dessen ist, was ich als Wahrheit bezeichne: den Sinn und Zweck des Lebens.

Dazu Ludwig Feuerbach (dt. Philosoph, 1804-1872):
"Der Religion ist nur das Heilige wahr,
der Philosophie nur das Wahre heilig."

Und Nietzsche (dt. Philosoph, 1844-1900, Der Antichrist) schrieb:
"Glaube heißt nicht wissen wollen, was wahr ist."

Ob es "Gott" gibt oder nicht, ist für mich persönlich eine müssige Frage. Gott gehört zum Weltbild!, auch wenn die verschiedensten Vorstellungen über ihn oder ES in Umlauf sind oder geglaubt werden; Gott gehört seit Urzeiten zum Zeitgeist. Ich kenne keine Kultur, in der er nicht gegenwärtig war, eine wenn auch verschiedenartige Rolle spielte für den einzelnen Menschen und die Gesellschaft.

Aber wozu brauchten Menschen einen "Gott"? Woher stammt der Gedanke an IHN, und warum hält er sich im Geist so hartnäckig? Hat Kurt Tucholsky (dt. Schriftsteller, 1890-1935) mit seiner Aussage Recht:
"Der Mensch hat zwei Beine und zwei Überzeugungen: eine, wenn's ihm gut geht und eine, wenn's ihm schlecht geht. Die letzte heißt Religion."
Bedeutet wohl: wenn Mensch hier auf Erden durch Ängste die "Hölle" erlebt, braucht er (psychisch sozusagen) als Gegengewicht einen Himmel, der ihm gute Gefühle macht. Scheint funktioniert zu haben, jedenfalls in einem geiwssen Rahmen auf einer gewissen Ebene.
Besonders ein Grund ist es, der mich von der Kirche fernhält: die Lieblosigkeit, die ich dort immer wieder erfahren habe. Jesus IST für mich die verkörperte Liebe. Die Kirche nahm ihn sich als Gallionsfigur, aber sie kann ihn nicht praktizieren - ist so, als machte man auf einen Trabbi einen Mercedesstern. Insofern mag man die Menschen verstehen, die ihre Welt als "gottlos" empfinden. Und ob die Welt gottlos erscheint wegen der Kirche, das muss wohl jeder für sich selber herausfinden.


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