Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn





















Edle Wahrheiten - 2 -
(in Arbeit)



Die Vier Edlen Wahrheiten


(Seine Heiligkeit der 14. Dalai Lama)


Wir veröffentlichen hier die Unterweisung Seiner Heiligkeit, die er am 18. Juni 1995 in der Pagode des vietmanesischen Klosters Vien Giac in Hannover erteilt hat.

Glauben und Vertrauen allein reichen nicht aus, wenn wir Religion ausüben. Wir sollten uns bemühen, die Religon, die wir praktizieren, gut zu kennen und zu verstehen. Auf der Basis eines guten Verständnisses müssen wir versuchen, diese Lehren in unserem Geist zum Tragen zu bringen. Wer Religion nur als einen Glauben betrachtet und ihre Mittel nicht anwendet, um seinen Geist zu schulen, kann ihre eigentliche Wirkungskraft nicht erfahren. Aus diesem Grunde hat der Buddha gesagt: »Keine unheilsame Handlung zu begehen, das Heilsame in jeder Weise zu vollführen und den eigenen Geist zu zähmen das ist die Lehre des Erwachten.«

Der Buddha hat gesagt, wir sollten keine unheilsamen Handlungen begehen was ist darunter zu verstehen? Es ist wichtig zu erkennen, daß Wirkungen weder ohne Ursachen entstehen noch aus Ursachen, die ihrer Art nicht entsprechen. Die unerwünschte Wirkung, die wir erleben, ist Leiden. Leiden ist die Wirkung von unheilsamen Handlungen: Leiden entsteht nicht ohne Ursachen und nicht aus völlig anderen Ursachen, sondern aus Ursachen, die den Leiden entsprechen. Wenn wir unheilsame Handlungen begehen, schaden wir den anderen; unsere Handlungen lösen beim anderen Leiden aus. Da diese Handlungen beim anderen Leiden bewirken, sind sie Ursachen dafür, daß wir auch selbst Leiden erleben werden. Die Ursache entspricht also der Wirkung. Das gleiche gilt für heilsame Handlungen. Heilsam sind Handlungen, mit denen wir anderen Glück bereiten. Solche Handlungen lösen bei den anderen Wesen Wohlergehen aus, und in Übereinstimmung damit werden wir selbst ihre Wirkung in Form von Glück erleben. In dieser Weise sind Leiden und Glück von entsprechenden Ursachen abhängig, also von schädlichen oder nützlichen Handlungen in bezug auf andere.

Ob wir heilsame oder unheilsame Handlungen begehen, hängt wesentlich von unserem Denken ab. Wenn wir altruistisch denken und anderen helfen möchten, entstehen von Natur her Handlungen, mit denen wir anderen nutzen. Wenn wir böswillige Gedanken haben und den Wunsch hegen, anderen zu schaden, entstehen automatisch Handlungen, mit denen wir anderen Leid zufügen. Unsere Handlungen hängen von unserem Geist ab. Deshalb ist es so wichtig, daß wir unser Denken schulen, »den Geist zähmen«, wie es der Buddha ausgedrückt hat.

Wir möchten kein Leiden erfahren, sondern Glück. Ist es möglich, Leiden vollständig zu überwinden und dauerhaftes, endgültiges Glück zu erreichen? Dies hängt von den entsprechenden Ursachen ab. Leiden entsteht aus unheilsamen Handlungen, Glück entsteht aus heilsamen Handlungen. Unheilsame Handlungen wiederum gehen aus einem undisziplinierten Geist hervor, der davon motiviert ist, anderen zu schaden. Heilsame Handlungen kommen durch einen disziplinierten Geist zustande, der anderen nutzen möchte. Wenn wir wissen wollen, ob Leiden zu vermeiden und Glück vollständig zu erreichen ist, müssen wir uns also fragen, ob wir die eigentlichen Ursachen für Leiden überwinden können: die Leidenschaften, also undisziplinierte, verblendete Geisteszustände. Der Buddha hat gesagt, daß die Leidenschaften nicht zur eigentlichen Natur des Geistes gehören, sondern vorübergehend sind. Wenn wir die entsprechenden Gegenmittel anwenden und sie uns angewöhnen, können wir die negativen Geisteszustände vollständig überwinden. So ist es möglich, Leiden zu überwinden, indem wir seine Wurzeln beseitigen.
Leiden erkennen, Leidensursachen aufgeben.

Als der Buddha seine ersten Belehrungen gab, lehrte er die Vier Wahrheiten: die Wahrheit vom Leiden, die Wahrheit vom Ursprung des Leidens, die Wahrheit von der Beendigung des Leidens und die Wahrheit vom Pfad, der zur Aufhebung des Leidens führt. Was die erste Wahrheit angeht, so hat der Buddha drei Arten von Leiden erklärt: das Leiden des Schmerzes, das Leiden des Wandels und das Allesdurchdringende Leiden. Das erste ist eine grobe Form des Leidens, es besteht in manifesten leidvollen Empfindungen. Es ist vorhanden, wenn wir körperliche Schmerzen aufgrund einer Krankheit oder auf andere Weise direktes körperliches oder geistiges Leiden erfahren.

Darüber hinaus gibt es ein subtileres Leiden: Was wir gewöhnlich für Glück halten, sind glückliche Empfindungen, die aber nicht dauerhaft, sondern vorübergehender Natur sind. Wenn man das Glück eine Weile genossen hat, wandelt es sich in Leiden um. Dieses wird das Leiden des Wandels genannt.

Die Tatsache, daß wir Körper und Geist haben, die befleckter Natur sind, die nicht unserer eigenen Kontrolle unterstehen und immer wieder Leiden hervorrufen, charakterisiert die dritte Art des Leidens, das Leiden, das alle Gestaltungen des Daseinskreislaufs durchdringt.





Der Kern der buddhistischen Lehre

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