Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

Freunde

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Die Fischerei in Bad Bederkesa

12. Januar 2010

Aus dem Bordtagebuch - 1 -

Ich bin an Bord, wohne auf dem Wohnboot vom Fischer und sin Fru. Kopfzerbrechen bereitete mir nur der Gedanke an die Bordkatze. Mein Kater Walter mußte ja mit von der Partie sein, aus Gründen, die in der Person meines Vermieters Curt, der gerne Kaninchen ißt, begründet sind. Außerdem ist er ein Bauer, ein typischer Bauer mit einem Verständnis für das Leben von Tieren, das beim reinen Nutzendenken stehen bleibt: von Liebe keine Spur.

Walter blieb hier an diesem für Katzen ungewöhnlichen Ort beileibe kein Kater, und hoffentlich versucht er nicht Karpfen zu spielen. Walter bewies gleich, er ist ein Fuchs. Während ich schreibe, liegt er verdauend, vertraulich schnurrend neben mir auf der Sitzbank. Gelegentlich furzt er mit der Qualität "genehmigunspflichtig", schreckt mich mit seinen übelriechenden Dämpfen aus den meist tiefsinnigen Gedanken. Mein Schimpfen geht ins Leere, denn er macht sich sofort auf und davon, weil er riechen kann, und durch mein Fluchen lernte, daß ich es auch kann. Natürlich steht auch die Katzentoilette im Wohnzimmer, Wohnklo mit Einbauküche, so ein Schiff, aja, na ja. Aus Gründen der Sparsamkeit und aus Bequemlichkeit säubere ich sein Klo nicht jeden Tag. Walter ist sauber, er ekelt sich, genau wie ich und andere Katzen vor einem dreckigen Klo. Heute sah ich, wie ein schlauer Fuchs ein schmutziges Klo benutzt. Der Gute stellte sich nur mit seinen Hinterpfoten in die Plastikschüssel. Bravo, Walter, wo ein Wille bleiben auch hier an Bord und trotz meiner sparfürsorglichen Wurstigkeit beim Scheißen die Füße sauber.

Nachsatz: Walter mußte der Titel Fuchs aberkannt werden, degradierte sich ein paar Tage später doch zum Karpfen: Er fraß einen Köder samt Haken. Wie das Schicksal so spielt, kam ein paar Minuten vorher der Fischer mit seinem Sohn an Bord, um ein paar Tage zu fischen. Nur mit großer Mühe gelang es ihm, den tobenden Walter mit einem unerbittlichen Griff zu bändigen, während ich mich hektisch mühte, den Haken mit einer Zange aus dem Katzenmaul zu operieren.Ja, Fischermeister Lasner! Ich könnte keinen Menschen aus meinem bisherigen Leben benennen, der diese Leistung, wo energisches, schnelles und beherztes Handeln gefordert war, gebracht hätte. Bleibt als offene Frage, ob Walter den Haken auch verschluckt hätte, wenn der Fischer nicht gekommen wäre, oder ein bißchen früher oder später, oder ohne seinen Sohn, oder mit seiner Frau und seinem Hund? Hätte?


Als ich auf den Booten wohnte, lag der Flottenverband übrigens auf der Havel bei Brandenburg - und es war November.

Aus dem Bordtagebuch - 2 -

Welch ein Glück, der Wahnsinn kommt noch mal in anderer Gestalt

Vor dem Frühstück Angeln, gutes Wetter, gute Laune. Diese Ruhe, daß ich das noch erleben durfte. In der Badebucht tauchen ein paar Leute auf, ein Typ im weißen Jogginganzug legt sich neben mein Auto auf den Boden. Etwas merkwürdig. Bald kehrt Ruhe ein. Wegen fehlender Würmer muß ich notgedrungen an Land rudern, und, mich laust der Affe, liegt der Kerl jetzt am Rande des Maisfelds. Als Fremder und überhaupt ist man ja erst mal höflich:
"Tag".
"Tag". Zu mehr reicht es nicht, vorerst. Plötzlich beim Buddeln neben mir eine Stimme:
"Sind sie mein Vater?"
Höre ich richtig? Kein Zweifel, die Stimme meldet sich wieder:
"Mein Vater lag da mit einem mal so komisch, und ich weiß nicht, wo er ist, oder ob er tot ist".
Du lieber Gott, aus dem Gerede werde ich nicht klug, erinnere mich an die alte Weisheit "Wer fragt, kriegt Antwort":
"Hast du keine Eltern mehr?"
Seine Antwort macht mich hellwach:
"Nein, ich bin aus dem Irrenhaus abgehauen".
Oh Scheiße, diese Ruhe, oh hier so trügerisch.
"Ich habe auch keine Eltern mehr. Na ja, denn einen guten Tag noch".
Vielleicht ist es mein eigenes Grausen, was sein Gesicht hinterhältig wirken läßt, als er sagt:
"Kann ich mit zu dir kommen?"
Ohne Zögern, wie aus der Pistole geschossen und bestimmt meine Anwort:
"Nein, nein, auf keinen Fall, ich bin hier nur zu Besuch und darf niemanden an Bord lassen, blah blah, mach's gut".
Nicht daß ich flüchte, mein Schritt ist nur schnell und führt direkt auf kürzestem Weg zum Boot; Leinen los und ins Boot springen laufen ab wie bei einer Feuerwehrübung. Schnauf! Schwein gehabt, der bullige Typ hätte mich leicht unterwärts zu liegen gekriegt, und dann sicher den Nächsten gefragt, ob er sein Angler sei.
  Später mache ich mir Vorwürfe. Hätte ich ihm nicht helfen können, versuchen müssen, ihn zurück in die Anstalt bringen? Nein, tut mir leid, das geht über meine Kräfte und Kompetenz.

Vermutlich geht es einigen Menschen so, dass sie Lebensfreunde finden. Plötzlich stehen sie vor einem, und dann kommt dieses Gefühl, als hätte man ein Stück Lebensfundament gefunden. Mir erging es so in Bad Bederkesa, als ich in einer Zeitung ein Anzeige las:

Angler gesucht


In mein Tagebuch schrieb ich:

"Diese Anzeige beschäftigte mich den ganzen Freitag über. Tausend Leute würden da am Wochenende anrufen und den Anbieter nerven, das spürte ich. Mich da einreihen? Nein, taktisch klug bis Montag warten, ganz entgegen meiner sonstigen eher sehr spontan agierenden Natur. Warum ich dann, auch ganz entgegen meiner sonstigen Gewohnheiten, am Montag mein Interesse planmäßig in die Tat umsetzte, verwunderte mich erst viel später, als ich sinnierend feststellte, daß mit dem wesentlichsten menschlichen Merkmal, meinem freien eigenen Willen, etwas nicht in Ordnung sein konnte.
  Montag rufe ich die Nummer an.
"An der Sache ist ein Haken", offenbart sein Gegenüber, recht ungewohnt direkt und ehrlich für örtliche Verhältnisse.
"Das dachte ich mir schon, danach hätte ich auch gleich gefragt", antwortet ich. Während wir beiden Männer locker plaudern, ertönt im Hintergrund ihre Stimme. Sie mischt sich ein, als es um das Buch geht:
"Ich suche einen Ort der Ruhe, um mein Buch fertig zu schreiben". Vielleicht war es diese Bemerkung, die sie zusammen kommen ließ.


Natürlich hat auch eine Fischerei eine Homepage, die von Harald Lasner eine, die  ich jedem wärmstens empfehlen mag. Der Link ist unten auf der Seite.
Im Bederkesaer oder auch Beerster See, der nur ein paar Schritte vom Fischerhaus entfernt liegt, wird gefischt, am Haus wird der Fisch für den Verkauf zubereitet und auch geräuchert.
Wegen der wohl schmeckenden Fischwaren kommen in der wärmeren Jahreszeit häufiger Busse mit Gesellschaften, die in der malerischen Gegend sich nicht nur erholen, sondern sich auch die Spezialitäten munden lassen wollen.





Im Hintergrund der Beerster See, im Vordergrund der Hadelner Kanal mit dem örtlichen Hafen.

Ich durfte also auf die Wohnboote ziehen, und man kann sich unschwer vorstellen, dass ein paar wochen pures Abenteuer für mich angesagt war.

Die Fischerei versendet auch Fisch. Wer sich dafür interessiert, oder wer  sich zutraut, ein paar Tage Ferien auf einem Wohnboot zu machen, kann sich telefonisch informieren, unter 04745 - 8122

Hier liegen die Wohnboot in dem kleinen Fischereihafen, zusammen mit einigen Anglerbooten und der Segeljolle von Brigitte Lasner.

Wenn sie an Bord ging, sieht das so aus. Sie ist zwar heilpraktikerin, aber wenn es darum geht, die Boote klar zu machen für Gäste, legt sie natürlich kräftig Hand an.

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