Große Geister                       Miyamoto  Musashi (1584-1645)


Zum Fliegen braucht man auch kleine Federn

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Eine Biographie, ein Epos, ein Märchen

Zunächst einmal ist es einfach ein ziemlich dicker Schmöker von über 1000 Seiten:  Das Leben des japanischen Samurai Miyamoto Musashi, erzählt von Eiji Yoshikawa. Und der hat alles, was zu einem richtigen Schmöker gehört: Drama, Spannung, Liebe, einen Helden mit beinahe übernatürlichen Fähigkeiten und seine Widersacher, darunter eine alte Hexe (die stets zur Göttin der Barmherzigkeit betet) eine unschuldige Schöne, einen Taugenichts - und dazu noch ein paar sehr heftige Kampfszenen, in denen das Blut nur so spritzt. Und deshalb, so musste ich mir sagen lassen, sei es "kein Buch für Frauen, denn die hätten ihre Probleme damit".  Nun muss ich zugeben, dass ich mir solcherlei nicht gerne aufbraten lasse. Außerdem hatte unser Freund, der uns das Buch ans Herz gelegt hatte, mich mit einigen Bemerkungen neugierig gemacht: Dass man das Buch auf andere Dinge übertragen müsse, dass man das hieraus Erfahrene benutzen könne, um gesund zu werden und zu bleiben. Ich wollte herausfinden, wie er das wohl gemeint hatte. Jetzt aber erst einmal ein paar Sätze zur "Legende Musashi":

17. Januar 2010

Nahezu alle Samurai waren Anhänger des Buddhismus, und handelten dennoch sehr oft gegen dessen heilige Regeln, indem sie Menschen oder Tieren Leid zufügten. Viele Samurai besaßen zum Buddhismus eine ähnliche Beziehung, wie die europäischen Ritter zum Christentum. Sogar die Ronin, welche sich eigentlich vom Weg der Samurai entfernt hatten, praktizierten trotz allem immer noch ihre Religion, und bewahrten sich so ihren Glauben. Einige Samurai sollen sogar aus Verehrung zu dem Buddha Siddhartha Gautama gegenüber ihren Gegnern Gnade gezeigt haben. In der Kamakura-Zeit begann durch die Einführung von zwei buddhistischen Schulen eine neue religiöse Ära in Japan, welche sich auch auf die Samurai auswirkte. Der japanische Kaiser an sich wurde von vielen Samurai als lebende Gottheit angesehen; dies wirkte sich jedoch nicht auf ihre Gesinnung gegenüber dem Buddhismus aus. Auch heute wird der buddhistische Glaube noch in Samurai-Schulen unterrichtet.

Die Ausbildung zum Samurai begann oft schon im Alter von drei Jahren und war geprägt von hartem Drill. Die Ausbildung beinhaltete in erster Linie Körperbeherrschung und Schmerzunterdrückung. Wenn sie etwas älter waren, lernten sie in einem nahen Kloster lesen und schreiben. Dorthin mussten sie, auch im Winter, zu Fuß gehen. Sie waren gezwungen, ihre Angst zu bekämpfen, indem sie auf dem Friedhof oder Richtplatz eine Nacht verbringen mussten. Im Alter von etwa fünf bis sieben Jahren begann die Unterweisung im Umgang mit den Waffen (Bogenschießen, Schwertkampf, Fechten und Jiu Jitsu: Selbstverteidigung ohne Waffengebrauch). Wie in vielen stark spezialisierten Berufen, war es auch für die Ausbildung des Samurais üblich, dass ein älterer, erfahrener Samurai einen jungen Mann über mehrere Jahre in die Lehre nahm. Erst nach Abschluss der Ausbildung nahm er gegebenenfalls einen neuen Lehrling auf, bildete also in der Regel nie mehrere Krieger gleichzeitig aus. Die Lehrzeit bei einem älteren Samurai, die etwa um das zwölfte Lebensjahr begann, endete ungefähr mit 15 Jahren. In dieser Zeit lebten Lehrer und Schüler zusammen und hatten eine Wakashudo genannte Beziehung, die meist mit dem Erwachsenwerden des Schülers in eine platonische Freundschaft überging. Den Abschluss der Ausbildung bildete die feierliche Zeremonie des Gempuku. In dieser legte der Schüler seinen alten Kindesnamen ab und bekam einen neuen Namen, erhielt Lang- und Kurzschwert, das Daisho-, eine eigene Rüstung und übernahm den traditionellen Haarschnitt der Samurai.

Tja, wenn mann als kleines Kind schon auf Kampf gedrillt wird, was soll man dann noch anderes erwarten als stählerne Kampfmaschinen. Zusammengefasst fand ich es noch einmal bei C. Wagnsonner: Buddhismus und Gewalt:

Musashi war vor allem durch seine nahezu unbesiegbaren Kampftechniken bekannt. Da er mit der Zeit immer mehr ein Dorn in den Augen der Fürsten war, wurden mehrere Samurai entsandt, welche ihn töten sollten. Musashi tötete jedoch alle gegnerischen Schwertkämpfer. Herrenlos, wie er war, muss er gemeinhin als Ronin (herrenloser Samurai) angesehen werden. Im Kampf nutzte er zwei Schwerter gleichzeitig zum Angriff beziehungsweise zur Verteidigung. Dies gilt jedoch nur für Kämpfe mit mehreren Teilnehmern. In Duellen verwendete Musashi sowohl das Bokuto als auch das Katana (verschiedene Schwerter), allerdings immer aus Holz, die er selbst schnitzte. Seinen ersten Zweikampf auf Leben und Tod bestritt er im Alter von 13 Jahren. Mit 29 Jahren hatte er mehr als 60 Kämpfe bestritten - darunter auch mit einigen der begabtesten Kampfkunstexperten (Schwertkämpfer, Stockkämpfer, Speerkämpfer u. a.) des Landes - und alle gewonnen. Seinen letzten Kampf focht er gegen den ihm ebenbürtigen Sasaki Kojiro aus.
Nachdem Musashi das Schwert niedergelegt hatte, widmete er sich dem Aufbau einiger Schulen und Tempel. Er galt als ausgesprochen religiös, unter anderem erwähnt er den Wert der Religionen in seinem  "Buch der Fünf Ringe". Über den Glauben sagte er: "Respektiert Buddha und die Götter, ohne euch auf ihren Beistand zu verlassen".
Musashi betätigte sich auch als Künstler und Handwerker. Seine Arbeiten werden in Japan als höchste Meisterwerke eingeschätzt. Er bemalte Wandschirme und war ein exzellenter Meister der Schreibkunst, er stellte Metallarbeiten her und begründete eine Schule der Stichblatthersteller.

In der Tat machten mir die blutigen Kampfszenen, die das Buch - jedoch nicht im Übermaß - durchziehen, zu schaffen. Aber blutige Szenen findet man auch in anderen Büchern, ich denke gerade an "Die Päpstin", in der es auch immer wieder sehr grausam zugeht. Kämpfen, sich messen, besiegen wollen sind aus der Welt, in der Männer das Sagen haben, wohl nicht weg zu denken und es macht meines Erachtens keinen Sinn, davor die Augen zu verschließen. Vielmehr würde ich gerne verstehen, was sie dazu treibt. Bei den Samurai- Kämpfern verwirrte mich besonders die tiefe Religiosität, die mit dem Töten in keiner Weise vereinbar zu sein scheint. Dazu zitiere ich aus Wikipedia:



Wie es scheint, ist es gleichgültig, welcher Religion man angehört, und wie groß die Ableh- nung von Gewalt und Töten ist. Die Lust am Kampf setzt sich doch durch, und wird sogar zur Philosophie erhoben, die Kunst des Tötens zum  Sinnbild des wahren Lebensweges erklärt. Oh Mann! Wie bekommt man einen Menschen so weit? Dazu zitiere ich noch einmal Wikipedia:

Trotzdem (oder vielleicht gerade deswegen) konnte ich von Musashi lernen, konnte Vieles mit ihm fühlen.
Sein
Versenken in die Kunst zum Beispiel, das kann ich sehr gut nachvollziehen. Wenn er malt, ist er völlig selbstvergessen und bringt sich so in einen Zustand, in dem er seinem gefährlichsten Rivalen ohne jede Angst gegenübertreten kann. Er ist ohne jede Emotion, nicht jedoch ohne Gefühl, was man aus seinen Begegnungen vor seinem schwersten Kampf schließen kann.
Der zweite Gedanke, der mir nicht fremd ist,  ist die
Hartnäckigkeit, mit der Musashi an Aufgaben herangeht. Es kommt eine Zeit, als er aus einem völlig maroden Stück Land ein fruchtbares Reisfeld macht. Niemand gibt ihm eine Chance, er wird verspottet, Naturgewalten zerstören mehrfach seine Arbeit. Er gibt aber nicht auf, weder körperlich noch geistig. Sein Wille und sein Durchhaltevermögen werden am Ende belohnt.
Schließlich spielt die
Einsamkeit in seinem Leben eine große Rolle. Immer wieder zieht sich Musashi zurück, macht das Schwere mit sich alleine aus. Wiederholt musste ich an das Gedicht von Hermann Hesse denken, das mit den Zeilen endet:


Drum ist kein Wissen, noch Können so gut,

Als daß man alles Schwere nicht alleine tut.


Hierfür bekommt Musashi meine volle Bewunderung. Obwohl es eine Frau gibt, die ihn sehr liebt, "hängt" er sich nicht an diesen Menschen. Was mich aber vollends für ihn einge- nommen hat, sind seine Zweifel. Dazu zitiere ich aus dem Buch:

"...von Zweifeln über seine Zukunft geplagt, hatte er sich in die Berge zurückgezogen. Die Lösung eines Problems führte ihn nur unweigerlich an das nächste heran... Er zog in Erwägung, den leichten Weg zu wählen. Wenn er es fertigbrachte, mit Otsu ein behag- liches, gewöhnliches Leben zu führen, würde nahezu jeder Lehensherr bereit sein, ihn mit fünfhundert bis tausend Scheffel angemessen zu entlohnen. Stellte er sich doch ernsthaft diese Lebensweise vor, so lautete die Antwort jedesmal Nein. ... Zu anderen Zeiten fühlte er sich niedrigen und feigen Illusionen ausgeliefert wie gierigen Dämonen der Hölle; dann wieder klärte sich sein Geist für eine Zeitlang, und er sonnte sich in der Lust seiner stolzen Einsamkeit. Tag und Nacht wurde er hin- und hergerissen zwischen Überschwang und Niedergeschlagenheit. "


Wie gut ich derlei Gedanken nachvollziehen kann. Wie oft schon erschien mir mein Leben an einem Tag als eine Katastrophe, fühlte ich mich als Versagerin, am nächsten glaubte ich das bestmögliche Leben zu führen, hätte mit niemandem auf der Welt tauschen wollen. Was ist die Wahrheit? Was ist real? Jedenfalls kommt Musashi so eine Art Erleuchtung in Form dieses Verses eines Mönches:

In Wahrheit ist das Gesetz Buddhas so einfach:

Iß deinen Reis, trink deinen Tee, trage deine Kleider!


Ja, eigentlich klingt es ganz einfach: Einfach da sein, leben im Hier und Jetzt, sich nicht sorgen, nach nichts streben. Dazu fiel mir die nebenstehende kleine Geschichte ein, die ich schon seit langer Zeit kenne und schätze. Leider ist es aber gar nicht so einfach, wie es klingt. Es sind hier eben Kräfte am Werk, die uns immer wieder treiben schon zu stehen, wenn wir eigenlich noch sitzen.


Habe ich hier was richtig verstanden?

  Susanne

Ein Zen-Mönch wurde einmal gefragt, was er denn für eine Meditationspraxis habe.
Er antwortete: "Wenn ich esse, dann
esse ich. Wenn ich sitze, dann sitze ich. Wenn ich stehe, dann stehe ich. Wenn ich gehe, dann gehe ich."
Da meinte der Frager:
"Das ist doch nichts Besonderes. Das tun wir doch alle,"
Der Mönch erwiderte:
"Nein, wenn Du sitzt, dann stehst Du schon. Wenn Du stehst, dann bist Du schon auf dem Weg."


Zitiert nach Anselm Grün: Der Engel der Achtsamkeit

Menüknopf

Das Samurai-Zen

·

Zen-Meister begannen, das

Meditationstraining für den Krieg zu nutzen (ab ca. 13. Jh)


·

Die gierigen und skrupellosen

Krieger sollten durch einen Ehrenkodex (Buschido) auf Staatslinie gebracht werden:


·

Selbstaufopferung


·

bedingungslose Kaisertreue


·

Zen-Mönche übernahmen das

Einhämmern


·

Meditation über den Tod


·

Entbehrungen ertragen


·

Konzentration


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In dieser Welt macht man die Künste zu einer verkäuflichen Ware, ist man bereit, die eigene Person zu verkaufen; ... Man trennt Blüte und Frucht und liebt nicht so sehr die Frucht als vielmehr die Blüte. Insbesondere schmückt man einen solchen Schwertweg mit einem Übermaß an Farben, lässt Blumen an ihm erblühen, protzt mit wer weiß was für Technik, mit diesem, mit jenem Dojo, mit diesem Weg, den man lehrt, mit jenem Weg, den man erlernt, und hat doch nichts als Vorteil und Gewinn im Sinn.

Musashi

Die zehn Gebote des Miyamoto Musashi

1. Habe nie arglistige Gedanken.
2. Übe dich unablässig darin, deinem Weg zu folgen.
3. Mache dich vertraut mit allen Techniken und Künsten.
4. Studiere die Wege und Tätigkeiten vieler Berufe.
5. Lerne in allen Dingen Gewinn und Verlust zu unterscheiden.
6. Entwickle deine Fähigkeit, Dinge auf den ersten Blick zu durchschauen.
7. Bemühe dich, das Wesen auch dessen zu erkennen, das unsichtbar bleibt.
8. Vernachlässige nie deine Aufmerksamkeit auch gegenüber den kleinsten Dingen.
9. Halte dich nicht mit nutzlosen Beschäftigungen auf.
10. Wenn es einen Weg gibt, der zu unbesiegbarem Selbstvertrauen führt, dem Einzelnen alle Schwierigkeiten überwinden hilft und ihm Ruhm und Ehre einbringt, so ist es der Weg des Kampfes.