Zum Fliegen braucht man auch
kleine Federn

Glaube, Kirche, Religion

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Advaita

12. März 2010

Zu manchen Themen komme ich wie die Jungfrau zum Kind - plötzlich steht es vor mir. Eine Frau schrieb mir, wie sehr ihr diese "Lehre" geholfen hatte, und überall wo Hilfe auch ganz pragmatisch Helfen bedeutet, wacht mein Interesse auf.

Was ist Advaita?
Ich fand einen erhellenden Text von Sybille Pfeffer:

Das Wort Ad-vaita stammt aus dem Sanskrit und bedeutet „Nicht-Dualität“, im übertragenen Sinne soviel wie „Einheit“ oder „Einssein“. Laut Prof. Dürr erklärt die fernöstliche Philosophie genau diejenige Erkenntnis, welche er über die Quantenphysik erlangte: Allem materiellen liegt etwas immaterielles zugrunde. Dieses „reine Informationsfeld“ ist grenzenlos, allumfassend und fernab von Raum und Zeit. Er nennt dies „Wirklichkeit“, was jedoch nicht mit dem, was wir im allgemeinen „Realität“ nennen, gleichzusetzen ist. Oder - schlicht und schön – „den Urgrund der Lebendigkeit“.

Madhukar, deutscher Philosoph und Meister des Advaita, beschreibt diesen „Urgrund der Lebendigkeit“ als „trans- neurologische Realität, das ozeanische Ewige, aus der das Individuelle wie eine Welle aufsteigt und vergeht. Das transpersonale Selbst ist einzige immerwährende Wirklichkeit, nämlich Frieden und stilles Glück.“

Wirklichkeit als transzendentes glückliches Nichts
Da dieses transzendente Nichts allem Existierenden zugrunde liegt, also alles Lebendige durchtränkt, ist es nicht nur die Essenz eines unpersonalen Universums, sondern folglich auch jedem menschlichen Körper, jeder einzelnen Person innewohnend. An genau diesem Punkt setzt der praktische Philosoph an: Wenn Wirklichkeit unsere grundlegende Natur ist, dann muss sie von jedermann erfahrbar sein! Seine Herangehensweise ist keine Wissenschaft. Er lehrt keine Theorie, keine Übung, keine geistigen Konzepte. Müsste man sie in einen Fachbereich eingliedern, würde die Kategorie „Angewandte Philosophie“ genau zutreffen. In öffentlichen Vorträgen animiert der ehemalige TV-Journalist die Besucher zu ergründen, „wer sie wirklich sind“. Durch meditative Stille und klärende Dialoge stärkt er die Sensibilität für diese unbeschreibliche Ebene und macht so das Mysterium des Einsseins direkt spürbar. Das Ergebnis: Einfach glücklich sein durch Selbsterkenntnis.


Wie und warum uns diese Erkenntnis glücklich macht, ist in gewisser Weise ein Rätsel. Vielleicht liegt es daran, dass die Menschen in ihrem formlosen Seinsgrund eine höhere Macht erkennen, und sich selbst als ein Teil von ihr. Dieses plötzliche, zweifelsfreie Wissen, dass man eingebettet ist, in Etwas, das größer ist als man selbst und ewiger als das Universum, gleicht einer Vereinigung mit Gott. So wird Gotteserkenntnis zu Selbsterkenntnis, und anders herum.

Advaita soll also Menschen glücklich machen, wenn sie die "Wirklichkeit" erkennen. Allerdings nicht das, was ich als Realität unserer Welt bezeichne, sondern eine außerirdische, außerordentliche Wirklichkeit, wohl die die des Urgrundes.
Mag das ein Weg zum Glücklichsein sein, das Irdische auszublenden. Das haben schon immer "Welche" gekonnt - und es auch gemacht. Mag es manchen helfen, die an ihren Traumata nicht arbeiten können, die aufgrund ihrer gesellschaftlichen Situation über genügend Zeit und Geld verfügen, und solche, die, sehr egozentrisch ausgerichtet, ihr Ich in den Mittelpunkt stellen.
Hier scheint mir auch ein Paradoxon aufzutauchen: einerseits sich im reinen Sein der unpersönlichen Nicht-Dualität aufhalten wollen, andererseits sich selber im Fokus von Begehrlichkeit, hier Glück, befinden.

DAS Leben, oder die Lebensform, die für alle gleichermaßen gültig ist, kann es wohl eher nicht sein. Niemand wird bestreiten, dass es nicht nur und vielleicht auch nicht primär um den einzelnen Menschen geht. In Leben steckt die Prämisse des Miteinanders, und wie soll das konfliktfrei funktionieren mit unbearbeiteten Problemen im Gepäck?
Und, das sage ich gleich mal dazu: schon immer störte mich am Bhuddismus die Ausrichtung auf das Individuum, der egozentrische Aspekt. Was dabei heraus kommt, sieht man relativ deutlich in Indien, wo die Massen sich Karmavorstellungen ergeben haben und, statt sich individuell zu gemeinschaftsfähigen Menschen zu entwickeln, sich kollektiv würdelos behandeln lassen. Alleine das Kastensystem macht mir schwerstens zu schaffen - aber wie an anderen Stellen bereits mehrfach gesagt: In unserer Welt werden Erfahrungen gesammelt und Ideen praktiziert, um DAS Richtige zu finden.

Mein kurzer Text zu Advaita soll diese "Lehre" keineswegs abwerten; im Gegenteil empfinde ich einige Aussagen als sehr vernünftig. Aber es gibt keinen für alle gleichen Lebensweg, geschweige denn für alle ein Glücklichsein. Der Weg, eine Lösung für das Ur-Problem zu finden, geht durch das Trauma, durch die Angst und durch die Verwirrung. Den schaffen ohnehin nur wenige, mit Advaita keiner - davon bin ich überzeugt.
Glückauf!


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Psychophysik
Sybille Pfeffer

Hier findet ihr den ganzen Text von Sybille Pfeffer, und einen weiteren, die Renzension von Lilien Frei  für das Buch »Einssein - Klarheit und Lebensfreude durch Advaita«