Erst mal wollte ich den Gedanken, der sich im Gespräch mit Susanne plötzlich einstellte, gar nicht wahr haben: Machtgefühl? Sehr eigenartig., und ich machte mir erst mal eine kleine Notiz, um später darüber nachzudenken.

Macht ist vom Wesen her Geist, aber das Besondere am Machtgeist ist, dass er ein Gefühl auslöst - oder generiert.
Beispiel: die Idee, einen anderen zu quälen - das Gefühl, das entsteht, ist Lust. Von der Sache her ist das natürlich eine Emotion, weil ich einen anderen als Ursache (das Leiden) dafür brauche - aber Lust fühlt sich an wie ein Gefühl und bedient den Emotionalkörper, macht lebendig - das ist das Entscheidende. Andererseits (und hier wird wieder sehr schön deutlich, dass Emotion und Gefühl unbedingt unterschieden werden müssen) kann ein Mensch einen anderen nur dann quälen, wenn er überhaupt kein (Mit-)Gefühl, weder Liebe für sich (Selbstachtung, Selbstwertgefühl) noch für Andere hat.
Wenn also Gefühle zum Beispiel Glücklich-Sein bedeuten, so haben wir bei gefühllosen Menschen die Ersatz-Erregung Lust. Das ist, was sie unter Glück verstehen, ja, nur verstehen können (da ihnen die Fähigkeit des Gefühls - nicht die des Fühlens! - fehlt).

Nietzsche schreibt:
Mit Wohltun und Wehetun übt man seine Macht an Andern aus mehr will man dabei nicht! Mit Wehetun an Solchen, denen wir unsere Macht erst fühlbar machen müssen; denn der Schmerz ist ein viel empfindlicheres Mittel dazu als die Lust: der Schmerz fragt immer nach der Ursache, während die Lust geneigt ist, bei sich selber stehen zu bleiben und nicht rückwärts zu schauen. Mit Wohltun und Wohlwollen an Solchen, die irgendwie schon von uns abhängen ...
Den ganzen Text findet ihr hier.



Das Machtgefühl entsteht aus der Macht über das Andere - eine "gute" Erregung ist die Folge.
Die Liebe ist ursächlich für Macht, die eine direkte Folge von ihr ist.
Das ist glaube ich der wesentliche Unterschied von Menschen, die mit ihren Ideen (und dem folgenden Umsetzen, dem Tun) Macht erzeugen, und zwar relativ künstlich. Sie müssen Geist erst benutzen, um Macht zu spüren, zu fühlen, einen wesentliche Teil von sich zu erregen, der für ihre Existenz wichtig, ja, unabdingbar ist. Liebe dagegen ist die Macht schlechthin - und sie wird nicht zu unrecht als die stärkste Kraft auf der Welt bezeichnet.
(und ist sie das nicht und führt zu einer Art Ohnmacht, war sie entweder zu schwach, oder die Erregung fühlte sich nur wie Liebe an)

Das Machtgefühl ist also mal wieder ein Begriff aus der großen Verwirrungskiste. Richtig hieße das Phänomen "Machtemotion". Aber wir wollen noch mal einen Blick auf die Liebe werfen und fragen, warum sie für jeden Menschen so bedeutungsvoll ist. Liebe tritt zwar auf der Handlungsebene als mitfühlendes Tun in Erscheinung, aber im Inneren des liebenden Menschen entsteht eine Erregung erster Qualität: Glück. Um mehr als diese Erregung zu spüren und durch sie existent zu werden geht es einem Wesen nicht. Nun leben wir aber in einer Welt, in der durch verschiedenste Bedingungen das Glücklichsein einer Morhrrübe gleicht, die genau so schnell ist wie das Pferd, das sie gerne essen möchte. Tritt Glück in Erscheinung, stürzen sich Kräfte darauf und trampeln freudvoll darauf herum; das scheint System zu haben. Vielleicht sind die "Täter" Wesen, die gar kein Glück, sondern nur Freude empfinden können, aus Missgunst, oder ..., ich weiß es nicht. aber ich glaube, das Geheimnis des Glücks wird wohl behütet, und zwar nicht ohne Grund. Einen davon sehe ich darin, den Menschen nicht autonom werden  zu lassen, solange es Aufgaben für ihn zu erfüllen gilt - einen anderen darin, dieses sehr feinstoffliche, eher paradiesische Gefühl zu blockieren, um eine Existenz in der grobstofflichen Welt nicht zu gefährden.

Es geht um Macht, das ist die zentrale Prämisse, unter der Leben aktiv wird. Heute hatte ich einen Gedanken zur Würde. Vor Jahren sagte ich mal, es sei würdelos, in dieser armseligen Welt reich zu sein. Aber es gibt einige Geister, die in ihrem weiteren Vermögenserwerb offenbar einen Sinn sehen und gnadenlos und rücksichtslos ohne jedes Mitgefühl gegen Menschen, Gemeinschaften und unsere (Um-)welt agieren. Wenn mein Gedankenansatz stimmt, dürfte ihr Motiv klar sein und sogar einen Sinn machen, jedenfalls für sie: Sie ergötzen sich nicht etwa an ihrem Reichtum, sondern an dem Gedanken, dass Andere arm sind und das Geld und die Macht eben nicht haben. Sie sind in ihrem Wesen eiseskalt und brauchen diese Freude aus existentiellen Gründen. Und nun zurück zu meinem Gedanken:
Machtmenschen besitzen keine Würde - sie SIND würdelos. Eine Schlussfolgerung wäre, dass Würde ein Produkt der Liebe ist. Desweiteren wäre erwähnenswert, dass Menschen ohne Liebe auch machtlos sind und Macht für sich ständig neu erschaffen müssen. Sie müssen dies zwanghaft tun, und, klar, sind sie neurotisch, und zwar hochgradig - triebhaft gesteuert von der Vorstellung, existent zu sein und zu bleiben

So, das waren mal ein paar weitere Gedanken zu einem Thema, das ich im August letzten Jahres anfing zu bearbeiten. Hier und für andere Themen auch war offensichtlich meine persönliche Entwicklung nötig. Dass mir dabei sehr gute Freunde halfen möchte ich nicht unerwähnt lassen und ihnen allen eine "herzlichen Dank" sagen.


Nietzsche
"Lehre vom Machtgefühl"

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22. Juli 2009

Zum Fliegen braucht man auch
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Heute Abend erfuhr ich eine Lehrstunde durch die Frage:
Wo ist die Grenze zwischen Weiß und Schwarz?
(vielleicht hätten mein blödes Gesicht andere noch besser machen können)
Ich stelle eine Gegenfrage:
Woraus entsteht das Bedürfnis, nach Macht zu streben?
Okay, die Frage ist nicht so genial wie die der schwarzen und weißen Zipfelmützen!

Als ich das Thema begann, kopierte ich diese Grafik auf die Seite. Vielleicht hilft sie der-dem einen oder anderen bei seinem Verständnis weiter.

Kleiner Nachsatz

        12. April 2010

Ich habe vieles von dem, was ich "wusste", wieder vergessen. Ein schlechtes Zeichen? Nun, ich glaube, auch das Streben nach Wissen ist Ausdruck einer Ohnmacht, fehlender Kontrolle/Sicherheit, die man sich durch Informationen zu verschaffen hofft. Wissen ist Macht, sagt man, aber ist das wirklich so? Wohin führte uns das Wissen der "Wissen"schaft?