Lebenssinn


Die Frage nach dem Sinn des Lebens stellt sich mir in ihrer ganzen Tiefe zwar nicht (mehr), aber als wir gestern mit dem Rad unterwegs waren, dachte ich kurz, welch einen Luxus wir uns erlauben können - uns einfach der Nase nach umher treiben zu lassen. Macht das Sinn?

Elke Brendel, Professorin für Philosophie, schreibt:

Die Frage nach dem Sinn des Lebens ist eine Grundfrage des Menschen, die wir uns in jedem Alter stellen. Angesichts des näher rückenden Lebensendes wird sie jedoch drängender. Zudem verändert sich das Leben selbst meist radikal: Wir scheiden aus dem Berufsleben aus, nahe stehende Personen sterben, unser soziales Netz wird immer brüchiger, und daraus resultiert das Gefühl, nicht mehr gebraucht zu werden.

Wer den ganzen Artikel lesen möchte, findet ihn unter diesem Link.



Der Löffel

(aus dem russisch-jüdischen Erzählungsschatz)

Ein Rabbi kommt zu Gott: „Herr, ich möchte die Hölle sehen und auch den Himmel“. „Nimm Elia als Führer“, spricht der Schöpfer, „er wird dir beides zeigen.“

Der Prophet nimmt den Rabbi bei der Hand. Er führt ihn in einen großen Raum. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber die Menschen sehen mager aus, blass, elend. Kein Wunder; ihre Löffel sind zu lang. Sie können sie nicht zum Mund führen. Das herrliche Essen ist nicht zu genießen.

Die beiden gehen hinaus. „Welch seltsamer Raum war das?“ fragt der Rabbi den Propheten. „Die Hölle“, lautet die Antwort.

Sie betreten einen zweiten Raum. Alles genau wie im ersten. Ringsum Menschen mit langen Löffeln. In der Mitte, auf einem Feuer kochend, ein Topf mit einem köstlichen Gericht. Alle schöpfen mit ihren langen Löffeln aus dem Topf. Aber – ein Unterschied zu dem ersten Raum: Diese Menschen sehen gesund aus, gut genährt, glücklich.

„Wie kommt das?“ – Der Rabbi schaut genau hin. Da sieht er den Grund: Diese Menschen schieben sich die Löffel gegenseitig in den Mund. Sie geben einander zu essen. Da weiß der Rabbi, wo er ist.

Mich fragt es, ob die Suche und die Bestimmung eines Lebensinns nicht gerade das Element ist im Miteinanderleben, das in der Vergangenheit viel Unfrieden und Krieg brachte. Denn, waren es nicht gerade die kirchlichen Lehrer, die Weisen, die Herrscher und Politiker, deren Dogmen, Gesetze und Moralvorschriften von einem Lebenssinn sprachen und ihre "Meinung" (als sehr subjektive Vorstellung von einer Ordnung) als Stempel anderen versuchten aufzudrücken?
Ich glaube, die Suche nach einem Lebenssinn ist an sich schon ein Ansatz, der in die Irre führen muss. Wer "glauben" kann, mit der Erschaffung der Welt sei Sinn in Form von Nutzen verbunden, braucht sich ja nicht mehr fragen, ob sein Tun sinnvoll oder sinnlos für die Welt sei. Zwar kann er sich immer wieder fragen, wie er glücklich und noch glücklicher werden kann, oder nach Werten suchen, die ihm wichtig sind, aber er muss weder sein Bemühen noch sein Handeln als sinnlos empfinden.

Mein Kernsatz lautet:
die Welt ist nicht auf der Suche nach Sinn, sie erfüllt ihn. Und sie tut es mit einer Konsequenz, unabhängig davon, wie der einzelne Mensch über das Wesen des Lebens empfindet.
Macht mein Leben, mein Tun, Denken und Streben einen Sinn? Nein, so frage ich nicht, sondern nur: wie geht es besser. Diese Frage ist - nach meiner Auffassung - im Leben enthalten; sie ist der Kern, das Wesen des Lebens. Leben will helfen, etwas besser zu machen. Und wer nun nach dem "Etwas" fragt, was das sei, schaue in sich UND um sich herum, was da besser werden könnte. Was auf jeden Fall hilfreich beim Schauen ist, seine "Brille" zu putzen, bevor man im Außen anfängt zu agieren. Das macht zwar keinen Sinn, aber es macht bessere Bilder.

Für das, was beim Blick nach außen besser sichtbar wird, fand ich eine kleine Geschichte:

Macht es Sinn, da einfach nur rum zu stehen?

Macht das Bunte einen Sinn?

Macht Vielfalt einen Sinn?

Macht das Durcheinander einen Sinn?

Macht das spielerisch Leichte einen Sinn?

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2. August 2009

Zum Fliegen braucht man auch
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Schöpferisch tätig sein heißt, selbst der in Wirklichkeit chaotischen und im steten Wandel begriffenen Welt einen Sinn zu verleihen, während das bloße Geschöpf sich den Sinngebungen der anderen unterwirft.
Friedrich Nietzsche

Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben - aber es hat ganz genau soviel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.
Hermann Hesse

Was ist der Sinn unseres Lebens? Wer so fragt, dem ist sein Dasein schon fragwürdig geworden. Warum sollte das Leben einen Sinn über sich selbst hinaus haben? Genügt es nicht, daß wir da sind, uns unseres Lebens freuen, jeden Tag dankbar und glücklich genießen - solange wir gesund sind? Bedürfen wir der "Rechtfertigung" in einem "höheren Sinn", der über das Dasein hinaus geht? Friedrich Nietzsche antwortete hierauf mit dem Hinweis auf die christliche "Sklavenmoral", die uns allezeit ein schlechtes Gewissen macht, wenn wir uns nicht durch unser Tun und Verhalten rechtfertigen können.
Iring Fetscher

Wenn wir bedenken, daß wir alle verrückt sind, ist das Leben erklärt.
Mark Twain

Anderen Gutes tun ist keine Pflicht. Es ist eine Freude, denn es mehrt deine eigene Gesundheit und Lebensfreude.
Zoroaster

Cicely Saunders (englische Ärztin): „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“



"Der Sinn des Lebens gibt dem Menschen seine individuelle Bedeutung und vor allem Erfüllung".
Mit dem Eingangssatz aus dem Sinnforum könnte man glücklich leben.

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