Grundsätzlich bezieht sich jede analytische Methode auf das Prinzip von Ursache und Wirkung. Analyse will aus Verhalten Ursachen erkennen - das Ansinnen richtet sich in die Vergangenheit, und sie will die Folgen von Ursachen erkennen - das Motiv richtet sich in die Zukunft. Analyse von Realität ist nicht einfach, aber es macht sie einfacher mit dem Verständnis, dass jede Realität bedingt ist durch Ursachen, die sowohl in der Vergangenheit, als auch in der Zukunft liegen. Insofern sollte sich Analyse auf die Bewegung beschränken, die erkennbare Veränderung einer Entwicklung.

Im Prinzip der Beobachtung von Veränderung erkennen wir bereits im Ansatz ein Problem. Wir können Dinge nur analysieren, indem wir sie von mehreren (allen) Seiten betrachten. Aber bereits während wir unsere Aufmerksamkeit auf eine andere Seite richten, veränderte sich die zuvor betrachte Seite - und auch wir als Betrachter veränderten uns.

Analyse steht an erster Stelle in einem Zyklus, auf sie folgt Diagnose und Therapie. Anmerken möchte ich, dass der Zyklus erst in gang gesetzt wird durch das Bemerken einer Störung und eine Beziehung dazu,  sprich, man muss sich dem Problem verbunden (Affinität) fühlen. Erst dann kann der Wille und eine Absicht entstehen, eine Verbesserung herbei zu führen.

Aber die Analyse trägt in ihrem Wesen bereits ein Problem. Physikalisch sprechen wir von einer Unschärferelation. Das Prinzip ist die Wechselwirkung zwischen einem "Objekt" und einem subjektiven Beobachter. Als Analytiker kann man zwar versuchen, sich (emotional) weitgehend von der Persönlich- keit eines Patienten zu distanzieren, aber man kann nicht verhindern, auf ihn eine wirkung auszuüben, die sein Verhalten auf eine bestimmte Weise färbt. Im Oktober 2004 schrieb ich dazu einen Ansatz auf, den ihr auf eine Extraseite (die im Weiteren ergänzt werden soll) lesen könnt.

Ich glaube, die Analyse ist für die Lösung von Problemen von entscheidender Bedeutung. Je besser sie durchgeführt wird, je genauer wird man die "wirklichen" Ursachen - es sind immer mehrere - erkennen und die richtigen Schritte zur Besserung bestimmen können. Darum werden hier in nächster Zeit einige analytische Verfahren vorgestellt.

In der Wahrnehmung (Deuten einer Situation als Problem) und der Art der Hinwendung (konstruktiv oder destruktiv) liegen die entscheidenden Ansätze für eine Analyse der Analyse. Aber gleich wie man an Lösungen arbeitet: ohne Analyse geht es nicht, und mit ihr ist es gefährlich, da bereits durch eine kritische Anteilnahme eine Veränderung entsteht. Jede Aufmerksamkeit erzeugt eine interaktive Beziehung - mit Folgen.

Abschließend für diese kurze Einleitung mag ich über ein grundsätzliches Problem sprechen. Unordnung, die nach einer Veränderung (Analyse, Diagnose, Therapie) verlangt, stellt sich auf einer (relativ) untergeodneten Ebene dar. Über dieser Unordnung steht allerdings eine Ordnung, die Unordnung kontrolliert. Daraus leitet sich eine paradox klingende Aussage ab:
Wir leben in einer Unordnung, aber das ist in Ordnung.

Vor neun Monaten legte ich diese Seite an, und tat mich in der Folge schwer. Besinnung und Gelassenheit ist dem Thema allerdings angemessen.
Diskussion über das Wesen der Analyse ist - natürlich - erwünscht.

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10. Juli 2009

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Problem der Analyse