Unsere Welt zu erklären könnte manch einem Zeitgenossen dabei helfen, seine eigene Welt zu verstehen und sie vielleicht mit veränderten Einstellungen und Standpunkten neu zu begründen - zu einer "besseren" Welt - in dem Sinne, dass er sich besser fühlt.

Unsere Welt erklären. Die Realität des aktuellen Geschehens wird man, das glaube ich, nicht oder zumindest nicht richtig oder vollständig verstehen können, ohne die "Welt als System" verstanden zu haben.

Einer der zentralen Parameter für die Beschreibung der Welt ist die Differenzierung in das "Weibliche" und das "Männliche". Er ist besonders deswegen wichtig, weil wir Frauen und Männer SIND und durch die ständige Wahrnehmung einer Realität die Plausibilität des Parameters praktisch unbestreitbar wird: es GIBT diese Dualität. Allerdings möchte ich nicht versäumen, bereits hier, sprich frühzeitig, eine kleine Anmerkung aus fremder Feder einzufügen:

Sobald sich die Illusion der Dualität in die Existenz eingeschlichen hat, entsteht bodenlose Angst.
NGAIPA RIG' DZIN DORJE

Das für mich Merkwürdige an der Dualität ist die Art der Interpretation. Es gibt Existenzeigenschaften und Systemeigenschaften, die, weil man sie als polar empfindet, mit den kategorischen Begriffen "weiblich" und "männlich" belegt werden. So gelten positve Energien als männlich, negative Energien als weiblich; das Helle ist männlich, das Dunkle ist weiblich; Geist ist männlich, Gefühle gelten als Gefühlsduselei und weiblich. Dabei läßt man es jedoch nicht, man verbindet das Begriffliche mit den Geschlechtern: Den Mensch Frau klassifiziert man als dunkel und emotional-irrational, Männer in ihrer Gesamtheit gelten als hell(e), rational-klar und vernünftig. Ich "hörte" gerade das Argument, wenn Männer nicht die Frauenherrschaft beendet und selber das Zepter in die Hand genomen hätten, würden die Kerle sich wegen einer Braut, der sie dienen müssen, immer noch auf den Kopf hauen.

Frauen werden seit sehr langer Zeit diskriminiert. Eine besondere Rolle, was die Kriegsführung gegen die Hälfte der Menschheit angeht, spielte dabei die katholische Kirche. Mir schwillt der Kamm, wenn ich an die vielen üblen Nachreden (z.B. unwertes Leben!) gegen Frauen denke. Jedenfalls haben Männer mit Frauen Probleme, woraus zu schlußfolgern wäre: das Männliche Prinzip hat ein Problem DURCH das weibliche Prinzip. Liegt das nur am Mythos der Schöpfungsgeschichte, bzw. seiner besonderen Interpretation:

„Durch einen einzigen Menschen kam die Sünde in die Welt und durch die Sünde der Tod, und auf diese Weise gelangte der Tod zu allen Menschen, weil alle sündigten” (Röm. 5, 12).

Der Frau Eva wurde die Schuld zugesprochen am Elend dieser Welt - durch ihr Vergehen, dem "Teufel" nachzugehen und Adam zu verführen. Die Schuld wurde nun - logischerweise!, da Eva als die Urmutter gilt - auf alle Frauen projiziert. Vielleicht, wenn man sie nicht bräuchte zum Kindergebären, hätte man sie längst ausgerottet in dem Stil, wie es die katholische Kirche mit den Juden (denen wurde die Schuld an Jesu Kreuzigung zugesprochen) versuchte. Geht es um die (fortwährende) Rächung der Urschuld? Oder ist das nur ein vorgeschobener Grund, gar einen, der auf die Verfolgung der Juden auch zutreffen könnte?

Ich versuche mal, das Pferd von einer anderen Seite aufzuzäumen, und frage: Woher kommt es, dass Männer vor Frauen Angst haben? Ein bekannter Grund liegt darin, dass Frauen Männer schwächen, indem sie sie zur Sexualität verführen. Sexualität ist nämlich auch "böse", überhaupt das Fleischliche, postulierte das katholische Geistwesen. Wäre ja schrecklich, wenn die Sünder auch noch durch ein bisschen körperliche Betätigung Spaß am Leben hätten.



Heute Abend hatte ich echt Glück - fand eine Seite, auf der folgende Zitate versammelt sind:

2000 Jahre Kirche
Historischer Rückblick:
Große Katholiken über die Frauen


"Die Weiber sind hauptsächlich dazu bestimmt, die Geilheit der Männer zu befriedigen."
Johannes Chrysostomos (349-407), Kirchenlehrer, heilig gesprochen

"Das Weib ist ein minderwertiges Wesen, das von Gott nicht nach seinem Ebenbilde geschaffen wurde. Es entspricht der natürlichen Ordnung, dass die Frauen den Männern dienen."
Kirchenvater Augustinus (354-430), heiliggesprochen; Augustinus gilt als einer der bedeutensten Kirchenlehrer.

"Der wesentliche Wert der Frau liegt in ihrer Gebärfähigkeit und in ihrem hauswirtschaftlichen Nutzen."
Thomas von Aquin, Kirchenlehrer (1225- 1275), heiliggesprochen

"Die Frau muß das Haupt verhüllen, weil sie nicht das Ebenbild Gottes ist."
Ambrosius, Kirchenlehrer (339-397), heiliggesprochen

"Ein männlicher Fötus wird nach 40 Tagen, ein weiblicher nach 80 Tagen ein Mensch. Mädchen entstehen durch schadhaften Samen oder feuchte Winde."
Thomas von Aquin, Kirchenlehrer und Patron der katholischen Hochschulen

"Wenn du eine Frau siehst, denke, es sei der Teufel! Sie ist eine Art Hölle!"
Papst Pius II. (1405-1464)

"Die Frau ist ein Missgriff der Natur... mit ihrem Feuchtigkeits-Überschuss und ihrer Untertemperatur körperlich und geistig minderwertiger... eine Art verstümmelter, verfehlter, misslungener Mann ... die volle Verwirklichung der mensch-lichen Art ist nur der Mann."
Thomas von Aquin, Kirchenlehrer (1225- 1274)

"In keiner Religion oder Weltanschauung ist die Frau so geachtet und geehrt wie im Christentum!"
Der katholische Theologe Bernhard Häring im 20. Jahrhundert

"Mädchen, die Miniröcke tragen, kommen in die Hölle."
Der Jesuit Wild im 20. Jahrhundert

"Der Frau steht nur Trauerkleidung zu. Sobald sie dem Kindesalter entwachsen ist, soll sie 'ihr so gefahrenbringendes Antlitz' verhüllen, bei Gefahr des Verlustes der ewigen Seligkeit."
Kirchenvater Tertullian

"Wo sich ein Priester aufhält, darf kein Weib eintreten."
Synode von Paris, 846

"Nahe der Kirche dürfen keine Frauen wohnen."
Synode von Coyaca, 1050

"Priester, die Frauen beherbergen, die Verdacht erregen, sollen bestraft werden. Die Frauen aber soll der Bischof in die Sklaverei verkaufen."
2. Synode von Toledo, 589

"Bei der Frau muss schon das Bewusstsein vom eigenen Wesen Scham hervorrufen."
Clemens Alexandrinus, vor 215

"Die Frauen dürfen im eigenem Namen Briefe weder schreiben noch empfangen."
Synode von Elvira, 4. Jahrhundert

"Das ganze (weibliche) Geschlecht ist schwach und leichtsinnig. Sie finden das Heil nur durch die Kinder."
Johannes Chrysostomos (349-407), großer Kirchenlehrer

"Frauen dürfen in der Kirche nicht singen."
Der heilige Bonifatius, Benedik- tinermissionar und "Apostel der Deutschen" (675-754)

"Will die Frau nicht, so komm' die Magd!"
Martin Luther

"Die größte Ehre, die das Weib hat, ist allzumal, daß die Männer durch sie geboren werden."
Martin Luther

Ich suchte ein Bild für mein Thema - fand es nach einigem Suchen bei "Ausflug nach Herne": Multikulti. Dort funktionierte, was ich meine: Kinder, Erwachsene, Alte, verschiedene Kiulturen, Männer und Frauen im friedlichen Miteinander. Das Wesentliche aber ist, dass das Verschiedenartige in EINE Welt integriert ist. Das kann man überall beobachten: wo Tiere in der Natur leben, wie die Naturkräfte ineinander wirken, wie der Wechsel eine Einheit bildet. Dieses Miteinander bedeutet in meiner Lebensphilosophie keine Möglichkeit, keine Beliebigkeit, sondern eine Notwendigkeit.

Freud griff das Geschlechterproblem auch auf. Seine Interpretation von Penisneid und Kastrationsangst bezieht sich allerdings nur auf die menschliche, und hier nur auf die körperliche Ebene. Mir erscheint das an den Haaren herbei gezogen. Auch was die moderne Psychologie interpretiert (z.B. Versagensängste) trifft meiner Ansicht nach nicht den Kern des Problems. Aber warum sollten wir hier nicht nach einer anderen Lösung eines Problems suchen, das es schon seit Urzeiten gibt.

Wenn wir davon ausgehen, dass Geist und Liebe als zwei völlig verschiedene Arten des Seins sich auf der körperlichen Ebene präsentieren (vielleicht, um ein Problem im Miteinander aufzuzeigen und lösbar zu machen?), erscheint die Schöpfungsgeschichte in einem ganz anderen Licht. Die Gestaltung von körperlichem Mann und Frau wäre nur ein Akt als Folge einer Absicht, zwei verschiedene Wesensarten sich miteinander konfrontieren zu lassen. ZTumindest ein Hinweis auf die Richtigkeit dieser Annahme ist das symbiotische Element im Miteinander von Frau und Mann - man braucht sich auf vielerlei Gebieten, MUSS sich ergänzen.

Das Weibliche und Männliche als Synthese
sind zwei ganz verschiedene Prinzipien innerhalb des menschlichen Systems. Frauen und Männer gleichermaßen verfügen über die Veranlagung zu sowohl geistigem als auch liebevollem Handeln. In einer Zeit, in der relativ viel Freiheit erlaubt ist, wo Menschen immer authentischer werden dürfen, erleben wir das Phänomen, dass ein Mann sehr wohl ausgeprägte weibliche Eigenschaften (Liebe, Gefühl - sprich Mitgefühl, sozial, altruistisch) und eine Frau sehr ausgeprägte männliche Eigenschaften (Vernunft, Forscherdrang, egozentrisch) leben kann. Und darum geht es dem Leben vielleicht auch:

sowohl eine liebevolle Vernunft als auch
eine vernünftige Liebe leben zu KÖNNEN.

Denn wohin eine kalte Vernunft und eine unkontrollierte, leidenschaftliche Liebe führen, weiß wohl jeder; sie verursachen Leid und Angst, bedrohen die Existenz.

Je fähiger die Menschen werden, unter Vernunft UND Liebe zu handeln, je freudvoller wird ihr Leben sich gestalten. Das Entwickeln dieser Synthese könnte der Fortschritt sein, auf den es Leben wirklich ankommt; daran glaube ich.

Nun gibt es die Geschichte von einer gewissen Lilith, die, der Mythologie nach, die erste Frau von unserem Stammvater Adam gewesen sein soll. Sie ging im Streit von ihm, weil er sie beim Sex nicht oben liegen lassen wollte. Sehr mysteriös, da ja angeblich Adam vom Sex nicht die geringste Ahnung hatte. Egal, es geht um Lilith, die beschrieben wird als ein Dämonin, die unter der Bevölkerung (??? - wie war die entstanden?) ihr Unwesen treibt. Vor ihr hatten

die Menschen Angst, und sie versuchten sich unter anderem durch Symbole (Pentagramme), die sie über der Haustüre anbrachten, vor ihr zu schützen - sagt die Mythologie. Aber kann sich auf ein Märchen die Furcht des Männlichen vor dem Weiblichen begründen?

Klar, mein Kommentar kommt auch noch. In der Bibel steht, man solle Vater UND Mutter ehren. In den Fällen, wo die Mutter eine Frau sein sollte, dürfte zumindest in gewisser Weise dem Weiblichen Ehre erwiesen werden.

Vielleicht sollte man die Menschen nicht in weiblich und männlich unterscheiden, sondern in Täter und Opfer - oder in Konstruktive und Destruktive, oder in Negative und Positive. Das können nämlich sowohl Frauen als auch Männer sein, Junge und Alte, Christen, Islamisten und Atheisten, Gebildete und Ungebildete.

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