Leben

Mensch in der Gesellschaft


29. August 2009

Was immer half, versagte dieses Mal: die Googlesuche. Nun ja, ich suchte auch den "Erfinder der Strafe", und darüber gibt es weltweit keine Textbeiträge. Einerseits befremdlich, weil sich ein durchaus fragwürdiges Verhalten bereits verselbständigte und als naturgegeben empfunden wird, andererseits beruhigend: es gibt noch etwas zu tun, nämlich nach neuen Fragen zu suchen.

Über die Strafe an sich gibt es natürlich Informationen, und ich suchte nicht lange, sondern wählte Wikipedia aus. Hier gibt es nur einige kleine Textbeiträge zu lesen, den ganzen Text findet ihr über den Link. Der führt allerdings direkt zum Unterthema Erziehungswissenschaften, da mich die Bestrafung von Kindern am meisten interessiert. Hier nun die Textauszüge:

In der Pädagogik (bzw. in den Erziehungswissen-schaften) galt Strafe Jahrhunderte lang als angemessenes Mittel in der Erziehung des Kindes. Zweifel daran wurden selten geäußert. Erst in jüngerer Zeit, vor allem durch den Einfluss der exakten Psychologie - insbesondere der Lernpsychologie (siehe auch oben: Psychologie), hat sich die Bewertung der Strafe als Erziehungsmittel verändert. Auch einzelne pädagogische Konzepte (z. B. antiautoritäre Erziehung, A. S. Neill) lehnen Strafe als Erziehungsmittel ab.

Und:
Eine Pädagogik, in der Menschenrechte beachtet werden und in der Selbstbestimmung und die Entwicklung einer Identität des Kindes eine zentrale Rolle spielen, kann nicht guten Gewissens mit Strafe arbeiten oder sie gar naiv rechtfertigen.

Und:
Strafe ist tendenziell menschenfeindlich - verbunden mit einem grundsätzlich inhumanen Menschenbild. Exzessives Strafen behindert zudem eine angemessene Entwicklung des Kindes und ist entwicklungspsychologisch/pädagogisch kontraproduktiv.
Letzterer Sachverhalt führt zu der Überlegung, ob Strafen in der Erziehung nicht grundsätzlich abzulehnen seien.

Keine Informationen darüber, wer das Strafen erfand? Ich meldete mich bei gutefrage.net an und stellte die Frage. Erstaunlich: innerhalb weniger Sekunden kamen aus der Community etwa zehn Antworten. Gleich die erste vermutete die Religionen als "Übeltäter, und eine weitere  befasste sich auf der Ebene der Nützlichkeit mit der Strafe. Bei allen anderen - es wurden schließlich 14 Antworten - hielt sich meine Dankbarkeit in Grenzen. Hier mal ein paar der Antworten und meine Kommentare dazu:

1.   Die Natur der Lebewesen hat sie erfunden.. Kleine Kätzchen bekommen z.B. von der Katzenmutter Katzenköpfchen (Pfotenstüber) wenn sie nicht gehorchen.

Wenn es die Natur eines JEDEN Lebewesens wäre, gäbe es keine Menschen, die Strafen verweigern. Ich kenne einige!

Auch das sich gegen Strafen auflehnen ist aus der Natur der Lebewesen heraus "erfunden"... so lernt ein Lebewesen, wo seine Grenzen sind und ob gesetzte Grenzen nicht doch noch überwunden werden können.

2. Ich empfehle den Besuch eines Zoologischen Gartens in dem man auch Bonobos ( unsere nächsten Verwandten) beobachten kann. Vielleicht sollte man auch eine Videokamera und etwas Zeit mitbringen.
Die dortigen Sitten ähneln den frühen Abschnitten der menschlichen Rechtsgeschichte. Fehden, Spiegelstrafen, Rache, soziale (auch sexuelle) Dienste...

Bei den Bonobos werden sämtliche Konflikte mittels Sex ausgetragen... XD - das wäre doch mal ein echtes Vorbild für uns Menschen: Macht Liebe, keine Bestrafung!

Ja, Deinen Ansatz finde ich schon mal prima. Meinst Du, ob Liebe auch ohne Sex geht? Das wäre zum Beispiel bei der Kindererziehung nicht gerade unwichtig.

3. Strafe ist uralt, so alt, dass man meinen könnte, aus biblischen Urzeiten ( die verbotene Frucht ).
Da hat allerdings die kirchliche Übersetzung etwas "nachgeholfen"
Jedenfalls ist es eine menschliche "Erfindung"

Übersetzung hin oder her: wer hat bitte sehr die Bibel erfunden? Dort steht immerhin, dass Bestrafen göttlich, normal und richtig ist.

Nein - das sind eher Interpretationen

jobo hat Recht - genau an diesem Punkt setzt die Lust auf Macht ein. Das ist menschlich, aber nicht göttlich!

4. Gott hat Adam und Eva aus dem Paradies geschmissen, weil sie den Apfel gefuttert hat. Das war quasi die erste Strafe, die es gab.

Mit Deiner Antwort kann ich auch etwas anfangen, vielen Dank! DAS war der Neubeginn oder der Wendepunkt in der Entwicklung der Menschheit. Dazu braucht diese Geschichte nicht mal stimmen, weil sie als wahr angesehen wurde - und WIRD. Alles Strafen leitet sich wohl von der Prämisse, der Mensch/DIE Menschen seien Sünder, ab.

Das ist ja die sogenannte Erbsünde, die einem mit der Taufe wieder abgewaschen wird. Wenn man davon ausgeht, dass die Schöpfungsgeschicht stimmt, ddann hat der Mensch quasi selber Schuld, weil sie hätten ja ein schönes Leben haben können, wenn sie Gott vertraut hätten. Ein schöneres Leben, als das Paradies hätte es nicht geben können. Aber Eva hatte kein Vertrauen und hat so ihre Bestrafung selber herbeigeführt.

Vielen Dank, Du brachtest mich auf die richtige Spur. "Gott" verursachte etwas (die Schöpfung, Menschenleben), dann funktioniert das nicht so, wie der Verursacher sich das wünscht, und statt sich selber in die Verantwortung zu nehmen, weist er Schuld zu - und bestraft.
So funktioniert die Kindererziehung im Prinzip wohl auch.
"Selber Schuld" - mich überfuhr kürzlich fast ein Autofahrer, weil ich nicht den Radweg benutzte. Der sagte das auch zu mir, mit blankem Hass in den Augen.
Nun ja, Justizia wird zwar nicht als ganz blind dargestellt, aber schaden könnte es auch nicht. Ein verbrecherisches System, in dem sich auch Richter konform verhielten, ist ja noch nicht so lange beendet.
Unser Leben bietet uns Schuld und Strafe, aber auch die Option der Verantwortung und des Bewusstseins. Leben bietet die Chance der Wahl, leider nur für die wenigen, die ihre Ängste aus dem Bestraftwerden überwinden konnten.
Vielleicht ist Strafe erst dann eine echte Strafe, wenn man daran glaubt, das es im höheren Sinne eine Strafe gibt. Dann dürfte man jedoch nicht an einen "Lieben" Gott glauben - Liebe straft nicht, sie heilt. In diesem Sinne könnte man Leben auch verstehen.

Wenn ein System das Mittel der (destruktiven) Bestrafung braucht, um eine Ordnung aufrecht zu erhalten, muss es sich fragen lassen, warum es die Ordnung nicht ohne Strafe, also konstruktiv schaffen kann. Wollte ich meine Gedanken auf die Spitze treiben, würde ich sagen:
Ein strafendes Ordnungssystem ist schon vom Ansatz her nicht in Ordnung, weil Strafe Angst und Verwirrung schafft und ein liebevolles Miteinander fast unmöglich macht.
Der Ansatz betrifft auch den Menschen selbst. Er kann im Rahmen einer fast völligen Unfreiheit (u.a. genetische und soziale Konditionierung, zeitgeist usw.) niemals die Verantwortung tragen, weder für sich noch für andere. Insofern ist braucht er sich objektiv/de  jure weder schuldig fühlen noch sich selber bestrafen und sich bestrafen lassen. Die meisten Menschen fühlen aber so, und ich glaube, damit wären wir ziemlich dicht an der Wurzel des Übels angelangt. Leben ist vom Wesen her eine große Chance für Entwicklung - Strafe macht sie klein und kleiner. Ich erinnere mich an die Worte meiner Freundin Brigitte, die als Gemeindeschwester an manchem Totenbett stand und oft die Worte hörte:
"War das alles"?
Als Menschen haben wir die Option, das "Prinzip der Strafe" (es gibt viel bessere Ideen!) zu überwinden. Das bringt ein Maß an Freiheit, die notwendig ist, um glücklich leben zu können. Ruhrgebietsgeschwängert sage ich: "Glückauf".

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