"In einem Menschenleben", damit fing ich bereits einige Beiträge an. Hier paßt es auch, weil es um Irrtümer geht, Täuschungen und folgend Enttäuschungen. Das Thema hatte sich förmlich in mir zusammen gebraut durch einige Texte, die ich gelesen hatte. Und eben, als ich meine Fotos anschaute, ließ mich gleich das erste Bild, das ich beschneiden wollte, wieder an mein neues Thema denken. Schaut mal rechts diese tolle Luftwurzel von einer Phalaenopsis.

So ist das wirkliche Leben, möchte ich mal behaupten: das Schöne verblendet das Schreckliche, das angenehm Scheinende ist verbunden mit einem ganzen Rattenschwanz von Problemen. Das Phänomen erleben wir in der Natur, das erleben wir mit anderen Menschen - und mit uns selber, und es betrifft sowohl die Interpretation als auch die Bewertung unserer Wahrnehmungen. Wie oft gehen wir mit viel Freude in eine Unternehmung, die, wenn nicht in einem Desaster, so doch mit einem unangenehmen Geschmack endet. Dachte eben an meine Waldfahrten, um Blaubeeren zu sammeln. Herrlich, der frische Waldgeruch, die Alleinsamkeit, durch die Landschaft stromern und mit einer großen Portion der leckeren Beeren heimkehren. Und dann fängt es plötzlich irgendwo an zu jucken und die Freude ist verflogen durch die Zecke im Fell. Mehr als einmal ging ich vorsichtshalber zum Arzt und ließ mir eine Spritze geben.

Gestern dachte ich: was weiß man von einem Menschen eigentlich wirklich? Klar, der nette Nachbar, die immer freundliche Verkäuferin im Büdchen, der Lehrer deines Kindes, von denen weiß man eigentlich so gut wie gar nichts, zum Beispiel darüber, was sie an Krankheiten haben und wie doll sie krank sind, wie sie sich in ihrer Beziehung verhalten, wie sie reagieren, wenn's mal eng wird, welche Sorgen und Ängste sie haben, was sie erlebten und was sie erwartet.

Tatsache ist: gar niemand kann sein soziales Umfeld kontrollieren. Wer ehrlich ist gesteht sich (und anderen) sogar ein, er können sich selber nicht immer kontrollieren, oder mache eben nur Dinge, die er meint kontrollieren zu können. Mag das eingeschränkte Kontrollvermögen der Grund sein, warum manche Menschen sehr unlebendig wirken und Entwicklungen blockieren. Ein weiterer Grund für Starrheit wird die fehlende Fähigkeit sein, flexibel auf Geschehnisse zu reagieren bzw. sie richtig einzuordnen.

Das ist ja mal wieder ..., wie soll ich sagen, ein ganz besonderer "Zufall". Heute wurde ich im sozialen Umfeld mit Verlustangst konfrontiert. Da das überhaupt nicht mein Ding ist, hinter was oder wem auch hinterher zu jallern (reisende Leute soll man nicht aufhalten), wollte ich dieses - mich ehrlich gesagt nervende - Phänomen mal unter die Lupe nehmen und googelte, eben, mal so zwischendurch. Ich landete auf der privaten Homepage von "Michelle", und staunte: eine sehr hübsche Dame, strahlend, als hätte sie ewiges Glück gepachtet, berichtet von erheblichen Problemen mit Eifersucht, Depression und, klar, Verlustangst. Schaut mal selber.


Ich glaube, um es mal neutral zu formulieren, dass jeder Mensch Verluste hinnehmen muss. Wenn ich an meine Kindheit denke fällt mir als erstes ein, als sie mir heimlich mein weißes Kaninchen in den Backofen steckten, und mich dann zum Essen riefen. Nein Danke! Oder mein Sitzenbleiben in der siebten Klasse, als plötzlich alle Kameraden einen anderen Weg gingen, oder, oder oder. Bei den Erklärungsversuchen mit der Kindheit darf es wohl nicht bleiben, denn das erklärt nicht, warum einer damit sehr gut umgehen kann und ein anderer gar nicht.

Beklagt werden ja fehlendes Selbstbewusstsein, Selbstwertgefühl und folgend eine starke, autonome Persönlichkeit. Aber wie kommt man dazu? Das Defizit auf die Eltern schieben, klar, das ist eine Möglichkeit, aber zeugt das von Verantwortung? Nein!, und fehlende Eigenverantwortung trägt gerade mit zu einem eingeschränkten Selbstwert bei - ist doch klar. Ich meine, Selbstwert entsteht doch nicht durch die Eltern, sondern durch die eigenen Leistungen, durch Wissen, das man erwirbt und Fähigkeiten daraus macht, durch Fleiß und Interesse, durch innere Werte, die man sich schafft und ihnen folgt. Da muss sich mal jeder von mir fragen lassen, was ER aus seinem Leben gemacht hat. (Oft sprach ich mit Moritz darüber, was es bedeutet, sich Mühe zu geben.) Klar, eine Auseinandersetzung mit Kindheit, Familie und Kultur ist unerlässlich, aber dabei darf es eben nicht bleiben.

Damit wir uns nicht missverstehen: ich spiele mich hier nicht auf als Kritiker anderer Menschen. Jeder muss mit seinem Leben selber klar kommen. Was mir nicht ins Konzept paßt sind Menschen, die, aus was für Gründen auch immer, sich ihrer Entwicklung verweigern und dann andere mit ihren Problemen belästigen, ihnen Zeit und Energie rauben, ohne den Willen, wenigstens für sich Verantwortung zu übernehmen; das wird nämlich sichtbar durch ihre Befindlichkeiten und ihr soziales Verhalten.

Kommen wir mal zum Schluss. Das Thema lautet: Heile Welt - das Unsichtbare. Viele Menschen sind nicht wahrhaftig, viele Menschen zeigen ihrer Welt eine Maske, oft eine Totenmaske. Viele Menschen verplempern ihre Zeit mit Klatsch und Tratsch, reden viel über Probleme, anstatt nach Lösungen zu suchen. Gestern sahen wir den Film über Georg I. Gurdieff, erlebten mit, was der unternahm, weil er etwas wissen WOLLTE. Klar, diese Energieleistung und diesen unbändigen Willen kann wohl nicht jeder Mensch haben. Aber jeder ist in der Lage sich zu fragen, WAS für ein Leben er führt, und WELCHES Leben er führen möchte. In der Regel gehört dazu erst mal ein einfaches Prinzip:

weniger fordern und mehr leisten.

Dann kommt vieles Weitere ganz von alleine. Und falls sich hier jemand unangenehm berührt fühlt, sage ich deutlich: ich weiß, wovon ich rede! Miguel Ruiz sagt, man solle sein Bestes geben. Das tut jeder, davon bin ich überzeugt, nur fragt sich fast keiner, welchen Wert sein Bestes hat. Davon sollte man ÜBERZEUGT sein können - und wenn es dann nicht ausreichte (um zum Beispiel nicht seinen Partner, seinen Job oder sonst was zu verlieren), ja dann reichte es eben nicht. Wäre für mich ein Grund, meine Defizite in den Fokus zu rücken und besser zu werden




Und links seht ihr zwei Wollläuse, Viecher, die den Orchideenpflanzen heftig zu Leibe rücken und sie bis zur völligen Zerstörung aussaugen - werden, wenn man sie nicht bekämpft. Sehen aber ganz possierlich aus, gell.

Unten nun ein Bild im Ganzen, wo man sieht, was wirklich los ist: das pralle Leben und die Schädlinge dicht nebeneinander.

Die Fotos hätten natürlich auch eine Nummer kleiner ausfallen können, aber ich fand sie schön.

Verlustangst-Eifersucht

Eine kleine Hinter-Geschichte
In den letzten Tagen verursachte ich ein Problem bei ebay. Hatte von einer Kleiderschrankwand zwei Teile ersteigert und bekam das dritte und wichtigste Teil nicht. Damit brauchte ich die beiden gekauften Teile auch nicht. Ganz klar mein Versagen, andererseits hatte der Verkäufer die Schrankteile getrennt angeboten und war indirekt mit an dem Problem beteiligt. Es brauchte zwei Briefe, um den Sachverhalt zu schildern, und dann kamen wir schadlos und ohne Streß auseinander, aber nur aus einem Grund: weil der Verkäufer fair und bereit war, SEINE Verantwortung zu übernehmen. Dafür sage ich hier mal:

Herzlichen Dank, Vera!

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Realität und Verantwortung

16. März 2009

Das sind ein paar Fotos von meinem Nachhauseweg von Gerthe nach Werne, mit dem Fahrrad.